ClaudiasBlog

aus dem Leben einer Schauspielerin

Maulkorb

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 16. Mai 2011

Früher malte ich mit viel Liebe auf die jeweils erste Seite meines neuen Tagebuchs folgenden Satz aus George Orwells "1984":

"Freedom is the freedom to say that two plus two makes four. If this is granted, all else follows."

Damals, in den 80ern klang der Satz etwas pathetisch, denn schließlich war das Aussprechen simpelster Wahrheiten sozusagen an der Tagesordnung. Wir fürchteten damals, vor dem echten 1984, das George Orwells Buch Wahrheit werden könne, genau so wie wir fürchteten von einer Atombombe getroffen zu werden. Die Zeiten ändern sich, es wurde abgerüstet und der Überwachungsstaat kam nicht…

tatsächlich?

Also was die Abrüstung betrifft habe ich keine gesicherten Erkenntnisse, ich gehe aber mal einfach davon aus, daß ich nicht belogen wurde. Was allerdings den Überwachungsstaat angeht, bin ich mir nicht mehr ganz so sicher. Lese ich so den einen oder anderen Vertrag in dem mein Stillschweigen über "Betriebsinterna" sozusagen bis an mein Grab gefordert wird, werde ich skeptisch.
Vor allem, weil der Begriff "Betriebsinterna" so dehnbar wie Kaugummi zu sein scheint und nicht so sehr sensible Informationen über die Firma betrifft sondern das, was ich mal einfache Tatsachen nennen würde.
Tatsächlich verstehe ich nicht, warum bestimmte Informationen, die ein Bewerber spätestens im Vorstellungsgespräch (also bevor er irgendeinen Vertrag mit Verschwiegenheitsklausel unterschreibt) erhält, "geheim" sein sollten?

Während früher der Austausch von Informationen weittgehend unbemerkt stattfand, wird nun versucht, dies zu kontrollieren. Diese Versuche treiben seltsame Blüten. Ich hörte von einer Firma in der es den Mitarbeitern verboten ist, zu bloggen oder in sozialen Netzwerken über die Firma zu "sprechen". Ein simples Posting wie "Monika Mustermann hängt heute durch" wird als Arbeitsunlust interpretiert und Frau Mustermann muß zum Gespräch bei ihrem Chef. Dabei muß Monika gar nicht mit ihrem Arbeitgeber vernetzt sein, denn plötzlich wird wieder denunziert.
Da tauchen die Bilder von Bürgerwehren vor meinem inneren Auge auf: die selbsternannten Hüter der Ordnung ziehen mittlerweile nicht mehr knüppelschwingend durch die Straßen um für Recht und Ordnung zu sorgen, sie sitzen im Büro, oder zu Hause und sobald sie etwas sehen, was ihrer eigenen Moral nicht passt laufen sie los zum petzen.

Also werde ich mir Werner Finck zum Vorbild nehmen oder bei denen umsehen, die unter Diktaturen und Zensuren kreativ waren, bzW dadurch kreativ wurden, denn einen Maulkorb lasse ich mir nicht verpassen.

Kabaretteinlage

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 29. November 2010

In einem großen sozialen Netzwerk beschwerte ich mich -vor einiger Zeit, zugegeben!- darüber, daß unser neuer Bundespräsident zum Knödeln neige, was ich immer als extrem unangenehm empfinde. Ein Freund kommentierte:

Für gutes Sprechen waren unsere Präsidenten noch nie berühmt. Und warum sollten denn Berufsgruppen (ist Politiker wirklich ein Beruf??) mit ihrer Stimme als Hauptwerkzeug etwas zu deren Pflege zutun? Das wär ja ganz was neues. Ich denke, der Herr sieht seine Kompetenzen eher woanders. Wir werden sicher erfahren, wenn er welche findet…

Daraufhin entwickelten wir spontan folgende kleine Szene:

Der Präsident:
"Fräulein Dinkel! Was macht denn die Kompetenz hier auf meinem Schreibtisch????"

Die Sekretärin (verlegen):
"Ja, ich weiß auch nicht. Die kam gestern mit der Post. War kein Empfänger drauf. (leiser) Aber ich hab' gedacht, sie könnten sowas gebrauchen…."

Der Präsident: (poltert)
"Quatsch! Kompetenz!!! Das braucht doch heute kein Mensch mehr! Wir leben in den Zeiten des Internets und Multimedia. (schiebt die Kompetenz angewidert bei Seite) Nehmen Sie sie und machen sie damit, was sie möchten!"

Die Sekräterin:
"Also, früher war so eine kleine Kompetenz viel wert! (belehrend) Man hatte nahezu ungeahnte Möglichkeiten. Die Tore zur Welt -der Neuen, wie der Alten- standen einem offen. Ganz gleich, ob man nun eine Karriere als Tellerwäscher, oder Millionär anstrebte… Zugegeben, als Politiker durfte man nicht zu großzügig mit Kompetenzen um sich werfen, das wär Rufschödigend, aber …(winkt ab) mal ehrlich, wer hat das denn schon in den letzten Jahrzehnten?
(kleine Pause, Atmer, dann schnippisch weiter)
Gut, sie wollen keine Kompetenz, bitte! Ich hab halt gemeint, dass sie vielleicht ein kleines bisschen aus dem Berliner Vorstadtbrachland herausstechen wollten. Gerade zu Beginn ihrer Amtszeit.
(wischt mit einer unwirschen Geste die Kompetenz vom Schreibtisch in einen großen Eimer mit der Aufschrift "Verpasste Gelegenheiten" und get ab).

Und so, liebe Kinder, kommt es, daß Sekretärinnen immer etwas kompetenter sind, als ihre Chefs…

in die Karibik!

Abgelegt unter: Auf See — Claudia Reimer @ 16. November 2010

Wir starteten in New York, wo es mittlerweile zwar immer noch schön, aber doch langsam spürbar herbstlich war. Unsere Strecke sah folgende Häfen vor: Baltimore, Charleston, Nassau, Jamaica (Ocho Rios) und die Dominikanische Republik.

Es hatte sich schnell herumgesprochen, dass man von Baltimore aus in ca. einer Stunde mit Taxi oder Bahn nach Washington fahren könne.

So fand sich denn also eine 10 köpfige Gruppe zusammen, die versuchte herauszufinden, wie und wo man das nächste Taxi zum Bahnhof bekäme. Am Terminal stand ein kleiner älterer Herr mit bunter Krawatte und Frank Sinatra-Pepita-Hut, der fragte, was unser Begehr sei? Wir wollten nach Washington antworteten wir. Wie viele wir denn wären?
10.
OK, er würde mal schauen.
In der Zwischenzeit kamen auch noch drei Leute aus der Kids- und Teenscrew, die ebenfalls nach Washington wollten. Die zwangsverpflichteten wir kurzer Hand ebenfalls. Auf dem Parkplatz fuhr ein schwarzglänzender Minibus vor. Jemand seufzte: „DEN hätt ich gern!“ und im selben Moment kam unsere männliche Elfe, fragte, ob 30,-$ pro Nase Hin- und Zurück OK seien und deutete auf den schwarzen Minibus.
Wahrscheinlich ist, dass dieser Bus eigentlich für den Crew-Shuttle in die Innenstadt von Baltimore vorgesehen war – zumindest würde es unter anderem erklären, warum der Shuttelverkehr in die Innenstadt nicht so optimal funktionierte, wie uns später die daheimgebliebenen Kollegen berichteten.
Uns war das zu diesem Zeitpunkt nicht klar und wäre es wahrscheinlich auch egal gewesen… also fuhren wir nach Washington. Unser Fahrer ließ uns am Smithsonian Institute raus und versprach, uns um 15:00 wieder einzusammeln. Damit blieben uns gut 2 ½ Stunden, bis wir wieder an Bord sein mussten.
Unsere Gruppe teilte sich rasch. Ich ging mit unserem Teil der Truppe erstmal um den Obelisken herum und dann schnurstracks zum Weißen Haus, das wir erst von hinten und nach einer Kaffeepause auch von vorne bestaunten. Allerdings ist es in Wirklichkeit wesentlich kleiner, als ich es mir vorgestellt habe. Vergleicht man es z.B. mit dem Präsidentenpalast in Santo Domingo, ist es geradezu bescheiden.
Vom Weißen Haus aus wollten wir eigentlich zum Washington Memorial laufen, aber das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung: es fing an, wie aus Eimern zu schütten.
Und es hörte nicht auf.
Eine Weile standen wir – schon gut durchnässt – an einem T-Shirt-Stand eines freundlichen Chinesen unter, aber der Regen ließ nicht nach.
Während die anderen sich weiter tapfer durchschlagen wollten, beschloß ich zusammen mit meinem Kollegen, zum Smithsonian zurückzukehren und dort zu trocknen und einen Kaffee zu trinken.
Die Toiletten im Smithsonian waren voll mit Touristen, die die gleiche Idee hatten und die Händetrockner liefen auf Hochtouren.
Schließlich nur noch klamm, suchten wir den Museumsshop auf, kauften Postkarten und setzten uns mit Kaffee (wie fast überall in Amerika nur mittelmäßig) und Gebäck in die Caféteria und schrieben Postkarten.
Wer sich an dieser Stelle wundert, warum er von mir keine Postkarte aus Washington bekommen hat, dem sei gestanden: sie befinden sich immer noch in meiner Tasche, da ich bis zu unserem Verlassen des Landes keine amerikanischen Briefmarken fand. Vielleicht übergebe ich sie einfach bald persönlich.
Unsere Rückfahrt gestaltete sich dann etwas schwieriger, als die Hinfahrt: wir brauchten fast eine Stunde, um überhaupt aus Washington herauszukommen. Irgendwie waren plötzlich alle Straßen gesperrt. Auch auf der Autobahn herrschte mehr Stop than Go. Wir kamen knapp pünktlich am Schiff an.
Das Rätsel löste sich am Abend: just an diesem Tag hatte es die Bombendrohung im Weißen Haus gegeben (was evtl auch die Scharfschützen auf dem Dach erklärt, aber vielleicht sind die auch immer da??) und die Paketbomben in Deutschland waren aufgetaucht…

Mit Erreichen von Charleston besserte sich das Wetter schlagartig: es wurde warm! Endlich Zeit und Gelegenheit, die Sommerklamotten aus dem Schrank zu holen, die dort schon viel zu lange herumhingen.
Charleston war angenehm entspannt. Alles sehr ruhig, relaxed, das Wetter schön, was will man mehr!?

Ich weiß nicht, ob ich irgendwelche konkreten Vorstellungen von Nassau hatte? Mein schwammig-blumiges Bild wurde jedenfalls erfüllt: Wärme, blauer Himmel mit ein paar vereinzelten Wolken, eine kleine betriebsame Hauptstraße mit bunten Gebäuden und viel Touristenläden. Mit einem Taxi fuhren wir zur Paradise-Island-Beach. Das Paradise Island ist ein riesiger Hotelkomplex – eine Depandance steht auch in Dubai – mit Aquarium und verschiedenen Poollandschaften, sowie Zugang zum Meer. Es beherbergt auch die teuerste Suite der Welt: für 25000,- pro Nacht (Mindestaufenthalt 4 Nächte) kann man sich dort einmieten. Wir verzichteten auf diese Ausgaben, da wir ja eh nur einen halben Tag bleiben wollten. Unser Taxifahrer ließ uns ein wenig vor dem Strand raus und wir wanderten den Strand entlang, bis wir dort ankamen (allerdings muß man sagen: der Strand sieht dort nicht anders aus, als davor oder dahinter) und ließen uns nieder. Um uns herum befanden sich fast ausschließlich amerikanische Touristen, die alle rote oder grüne Bändchen an den Handgelenken hatten. Insofern weiß ich nicht, ob wir völlig unrechtmäßig eine Liege belegten und den anderen die Sonne wegtankten?
Die Athmosphäre jedenfalls war ein bisschen, wie an der Ostsee: in der Ferne Paraglider und Jetski, am Strand Verkäufer, die im Wechsel Tücher, Schmuck und Flöten anboten, sowie emsige Kellner, die den Hotelgästen ihre Drinks servierten. Die Temperaturen waren weit über Ostsee-Niveau und somit angenehm!

In Ocho Rios auf Jamaica befanden wir uns in relativer Nähe zu den „Dunn’s River Falls“ einem Wasserfall, der sich terrassenartig in die Tiefe schlängelt und den man hinaufklettern kann. Wieder ging es mit einem Sammeltaxi zu den Dunns River Falls (überhaupt bin ich bisher hier mehr Taxi gefahren als in Deutschland in einem Jahr. Es ist zwar nicht so teuer, wie in Deutschland, aber doch auf die Dauer etwas frustrierend, dass man kaum etwas zu Fuß erreichen kann).
Nachdem wir unsere Klamotten in einem Schrank eingeschlossen hatten, begaben wir uns zum Fuß des Wasserfalls. Auf einer Treppe, von der aus man zum Teil auf das Geschehen blicken kann und es sieht an manchen Stellen krass aus! Auch beim Klettern ist es teilweise krass. Zwar sind keine großen Höhen zwischen den Steinen zu überwinden, aber die Steine sind manchmal sehr rutschig und die Strömung des herabfließenden Wassers nicht ohne. Jedenfalls weiß man nach einer Stunde, was man geleistet hat!
Entsprechend groß war unser Hunger! Aber bis zu unserem Mittagessen sollte eine Weile vergehen. In der Nähe befand sich eine Art amerikanischer Ballermann: Restaurants und Souvenirshops. Das erste angesteuerte Restaurant, „Margeritaville“, feierte 8 jähriges Bestehen: es war laut, voll und ungemütlich. Im nächsten Restaurant warteten wir nach der Bestellung (5 von 8 Gerichten auf der Karte gab es nicht) eine halbe Stunde auf Essen und Getränke, als wir nachfragten ob wir wenigstens schon einmal das Wasser und den Kaffee haben könnten, kam die erstaunte Frage: „You ordered coffee??“ und kurz danach teilte man uns mit, dass es auch das Hähnchen, das 4 von uns bestellt hatten nicht gäbe… wir gingen. Im dritten Restaurant gab es noch alles und unsere Bestellung kam auch heiß und mit nicht allzu langer Wartezeit auf den Tisch – GottseiDank!
Lecker wars nicht und teuer außerdem.

Mittlerweile hatte ein karibisch warmer, aber nicht wenig hartnäckiger Regen eingesetzt. Wie wir später erfuhren ein Vorläufer des Hurrikans „Thomas“. In La Romana angekommen machte uns auch ebendieser Hurikan den Ausflug auf die „Bacardi-Insel“ (also die Insel, wo die Bacardi-Werbung gedreht wurde) unmöglich: es regnete. Zwischenn zwei Schauern wagten wir uns in die „Stadt“… Kaffeetrinken … wie beschreibe ich La Romana? Oder das, was ich von La Romana sah? Lauter kleine, sehr heruntergekommene, manchmal buntgestrichene Häuser. Schmale Bürgersteige. Ein allgemeiner Eindruck von Armut und Verwahrlosung.
Wir fanden ein kleines Café, wo wir mit Dollar bezahlen konnten. Der Kaffee war kalt und dünn.
Im Supermarkt, den wir noch aufsuchten, fiel zwischendurch der Strom aus… meine Trauer darüber, dass ich La Romana nur noch zu meiner Abreise wieder sehen werde, hält sich in Grenzen.
Der Hurrikan zog an uns vorüber und so konnte die erste Karibik Route beginnen: Jamaica (Montego Bay), Cozumel, Belize, Santo Domingo, Antigua, St. Maarten.

Auf Jamaica verbrachten wir einen Tag, wie ich mir einen karibischen Tag vorgestellt habe: mit dem Taxi (!) ging es zur Doctors Beach, zwischendurch zum Mittagessen ins nahe gelegene „Margeritaville“ (wo man kein 8 jähriges Jubiläum feierte, sondern damit beschäftigt war, die Sturmschäden zu beseitigen) mit Cocktail-Trinken, dann zurück an den Strand, noch mehr Cocktails trinken und dann nach Hause.

Zu den Glanzlichtern gehört auf jeden Fall Cozumel. Von dort aus fährt man nämlich mit einer Fähre aufs Festland und dann mit einem Bus zu den Maya-Ausgrabungsstätten in Chichèn Itzà.
Die Fährfahrt gehört nach dem Tag, an dem ich beschloß mal auszoprobieren, ob Achterbahn- und Krake- und Kettenkarrusselfahren nicht doch etwas für mich wären zu den schlimmsten diesbezüglichen Erlebnissen!
Zum Glück wird mir nicht wirklich schlecht, ich werde lediglich weiß und mir bricht kalter Schweiß aus, der in wahren Strömen fließt und mein ganzer Körper schreit „Flucht!“ während mein Verstand tapfer dagegen anzugehen versucht. Leider überschattet diese Fährfahrt auch den Ganzen Tag – am Abend nach der Rückkehr war ich so ausgehebelt, dass ich erstmal 2 Stunden tief und fest schlief, um mich kurz für eine halbe Stunde in die Senkrechte und dann ganz schnell wieder ins Bett zu begeben.
Aber die Ausgrabungsstätte! Die 3 stündige Fahrt ist recht eintönig, da man nochnichteinmal Landschaft sondern beständig Grün sieht. Halbhohes, undurchdringlich wirkendes Grün. Manchmal sind Straßen in das Grün geschlagen, die nirgendwo hinzuführen scheinen, als auf die andere Seite des Grüns. Chichèn Itzà ist sehr interessant, wie die gesamte Mayakultur. Dennoch bleibt ein Eindruck „außen vor“… zu wenig vom Leben der Maya ist spürbar, anders als zum Beispiel in Pompeji, wo man alleine durch die Struktur der Stadt ein Gefühl für das Leben damals bekommen kann. Die Bauwerke darf man alle nur betrachten, Das Besteigen der Pyramiden sowie des Observatoriums sind nicht möglich. In der Vergangenheit hat es zu viele Unfälle gegeben, außerdem verewigten sich wohl zu viele Touristen mit ihren Kürzeln an den Wänden …  die Mexikaner scheinen aber ein extrem freundlicher Menschenschlag zu sein und ich bedaure sehr, daß ich keine Gelegenheit habe, diesen Eindruck zu vertiefen!

Belize ist neben der Dominikanischen Republik der absolute Tiefpunkt. Nicht umsonst ist in Belize das Hafengebiet touristisch aufgemöbelt, außerhalb dieser Meile möchte man sich nicht bewegen.

Es ist nicht so sehr die Armut, die einem hier entgegenspringt, sondern eher die Tatsache, daß es so wenig abseits der touristischen Pfade zu entdecken gibt, so dass einem fast nichts bleibt, als mit einem Taxi an den Strand zu fahren.
Mir ist allerdings auch klar, dass ich mir mit diesen „mal einen halben Tag“-Ausschnitten gar kein richtiges Urteil erlauben kann…

Antigua und St. Maarten machen ein wenig wieder wett. Beide Inseln scheinen reicher (also im karibischen Sinne "reicher", was nicht europäischen Maßstäben entspricht), die Menschen sind freundlich, die Strände bilderbuchtraumhaft.. aber nach den ersten auf Steeldrums gespielten Weihnachtsliedern freue ich mich auf Deutschland und die Vorweihnachtszeit.

Kanada und so…

Abgelegt unter: Auf See — Claudia Reimer @ 26. Oktober 2010

Jetzt, wo wir uns endlich (endlich! endlich!!) auf den Weg in den Süden machen, mal ein paar Zeilen über unsere bisherige Strecke in Nordamerika und Kanada.
Grob kann man sagen: es war kalt, sonnig und kalt, bedeckt und kalt und regnerisch und kalt.

Nachdem wir in New York mit 26° und Sonne verwöhnt wurden machten wir uns auf den Weg nach Norden.  Aus New York kommend hatte ich noch Blasen an den Füßen und merkte recht bald, daß weite Spaziergänge oder überhaupt irgendwelche Strecken quasi nicht zu Laufen waren.
So schleppte ich mich mit letzter Kraft an die Pier von Newport, wo ich einen Platz in einem Café ergatterte und ließ mir eine halbe Stunde die Sonne auf den Pelz brennen, dann zog es sich langsam zu, der Wind, der bei Sonne noch angenehm gewesen war, fühlte sich jetzt frisch an, ich ging zurück zum Schiff.
Von den phantastischen Villen der Vanderbilts sah ich nix.

Zum Glück hatten wir einen Seetag, so daß sich meine Blasen erholen, bzW verflüchtigen konnten, dann kamen wir nach Bar Harbor.
Ein niedliches kleines Küstenstädtchen, voll und ganz auf Tourismus eingestellt. Wie schon in New York und auch später zum Teil in Kanada beschlich mich der Gedanke: „Sieht alles aus, wie im Fernsehen!“.
Man kann in Bar Harbor mit Bussen durch den „Arcadia Nationalpark“ fahren. Es gibt verschiedene Strecken, die Busse fahren ungefähr alle halbe Stunde und man zahlt eine „Parkgebühr“ von 5,-$ unsere Strecke führte durchs Landesinnere nach Northeast Harbor und zurück. Kollegen machten eine etwas dramatischere Tour an der Küste entlang, aber auch wir sahen wunderschöne Landschaft.

Unser erster Stop in Kanada war Halifax. Auch hier war es noch leidlich warm, also so schätzungsweise 18° bis 20°. Das Wetter sehr wechselhaft. Wir wanderten die Uferpromenade entlang vorbei am Museum in dem eine Ausstellung an den Untergang der „Titanic“ und die große Explosion im Hafen von Halifax erinnern. Nachdem mich die „Titanic“-Ausstellung in Hamburg damals so sehr beeindruckt hatte und mir Kollegen, die im Museum in Halifax waren berichtet hatten, daß die dortige Ausstellung nicht annähernd so gut sei, sparte ich mir den Besuch.
In Halifax trank ich den ersten guten Kaffee seit wir Europa verlassen hatten: genau gegenüber der Pier, wo unser Schiff lag, befindet sich das „Java Coffee House“. Der erste Schluck meines Trippleshot Latte machte allen Koffeinmangel der vergangenen Tage wett. Bei den nächsten Aufenthalten in Halifax begnügte ich mich mit einem „Doubleshot“.
Wir fanden ein sehr nettes Restaurant mit Dachterrasse und Blick auf den öffentlichen Garten (= Public Garden), wo wir mitten im Essen von einem Regenschauer überrascht wurden. Dann mussten wir auch schon wieder zurück: in Halifax und Quebec hatten wir jeweils nur einen halben Tag Aufenthalt.

Bevor wir nach Quebec kamen fuhren wir durch die St- Lorenz-Bucht und danach natürlich den St. Lorenz Strom hinauf, aber nur ein Kollege sah einen Wal. Allerdings war auch kein anderer gewillt, wie er, stundenlang bei doch recht frischem Wind Ausschau zu halten.

Quebec ist eine entzückende Stadt!
Man kann durch die untere Stadt wandern und sich in den kleinen Gassen mit den grauen Steinhäusern wie in der Bretagne fühlen, oder man klettert in die Oberstadt, oder gönnt sich für 2,-$ die Drahtseilbahn nach oben. Auch dort sieht es sehr europäisch-französisch aus.
Angefangen bei dem über allem thronenden „Chateau Frontenac“ bis zu den Gassen und Kopfsteinpflasterstraßen. Überall fahren Kutschen mit Touristen Sightseeing.
Bei unserem einzig längeren Aufenthalt in Quebec, fuhr ich mit Kollegen zu den Montmorency Wasserfällen, die als „größer als die Niagarafälle“ angekündigt werden. De facto sind sie 20m höher aber wahrscheinlich ein 100 Mall schmaler. Also eigentlich ein ganz normaler Wasserfall, lange nicht so beeindruckend, wie der Gulfoss in Island. Aber die eine Stunde Busfahrt mit einem öffentlichen Bus und der Spaziergang waren es doch wert. Das Wetter war schon recht frisch und später zog es richtig zu und fing an, zu regnen.

Damit hatte sich das eher milde, sonnige Wetter erledigt.
Eine Kaltfront setzte sich hartnäckig fest und folgte uns, wohin wir auch fuhren.

Vielleicht ist das die Erklärung für die bleierne Müdigkeit, die mich in Montreal überfiel? Wir hatten 3 Tage Aufenthalt dort und ich sah nichts von der Stadt! Ich schleppte mich die Haupteinkaufstraße entlang mit einem Gefühl einer drohenden Grippe oder eines Nervenzusammenbruchs und beschränkte meine Aktivitäten auf Kaffeetrinken und das Treffen mit einem ehemaligen Kollegen, der in Montreal lebt.
Mehr tat ich in den drei Tagen nicht.

Auf unserer Fahrt zurück nach New York fuhren wir statt Newport Boston an. In Boston regnete es.
Mal mehr, mal weniger.
Wir machten eine Shoppingtour. Natürlich als erstes zu „Abercrombie und Fitch“, die in Boston preiswerter sind, als in New York und dann die Washington Street rauf und wieder runter. Immer wenn es zu sehr regnete: rein in den nächsten Laden. und schließlich zurück.

Für unseren zweiten New York Aufenthalt, hatten mein Kollege und ich uns vorgenommen, ein Musical zu sehen.
Unsere Wahl fiel schließlich auf „Addams Family“ und erwies sich als vortrefflich! Die Geschichte ist so solide und gut, wie alle Addams Family-Geschichten: die Tochter hat sich unerklärlicher Weise in einen normalen Jungen verliebt und dessen Eltern kommen zu Besuch. Wednesday bittet ihre Familie einmal normal zu sein und natürlich läuft alles gar nicht so rund, aber sehr witzig und am Ende sind alle so unglücklich, wie es bei den Addams sein muß:
„And Darling, are you unhappy?“
„Oh yes, my Sweet! Very unhappy!“
Das Ganze ist gespickt mit schönen Tricks und Einlagen und viel schräg-schwarzem Humor. Obwohl wir „nur“ die Zweitbesetzung von Bebe Neuwirth sahen, war es auch schauspielerisch und gesanglich großartig. Ein eklatanter Unterschied zu (fast) allem was ich in Deutschland (insbesondere bei der Stage) bisher an Musical gesehen habe. Vielleicht macht man in Amerika einfach nicht so große Unterschiede und mutet auch seinen Musical-Auszubildenden soliden Schauspielunterricht zu? Erstaunlich war vor allem, daß auch der kleine Bruder von Wednesday weit besser war, als jedes Kind, daß ich bisher in Deutschland auf einer Bühne sah.
Mein Schauspielkollege berichtete, er sei in einem Theaterbuchladen gewesen, wo es Bücher mit Monologen für Kinder der unterschiedlichsten Altersstufen gegeben habe…

Eine Weile lang war ich versucht, mir noch einen weiteren Theaterabend anzusehen. Vor einem knappen Monat hatte „A Life at the Theatre“ von David Mamet mit Patrick Stewardt (aka: Jean Luc Picard) und einem Jungen, der sonst in einer Krankenhausserie spielt (T.R. Irgendwas) Premiere.
Einige Kollegen empfahlen außerdem dringend den Besuch von „Next to Normal“, einer sah sich Al Pacino in „Der Kaufmann von Venedig“ an (180,-$ für die Karte!!!) und „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ hatte auch Voraufführungen…
Da der einzig mögliche Zeitpunkt für einen Theaterbesuch am vergangenen Samstag zur Matinee gewesen wäre, dachte ich lange nach… allein: der Tag war ein wunderschöner, herbstlicher Samstag. Und so ging ich in den Central Park, spazierte ein wenig am See entlang, setzte mich eine halbe Stunde auf eine Bank in die Sonne, nahm danach ein Sandwich und Kaffee im „Café Europa“ zu mir und ging ins MoMa.
Nun habe ich zwar nicht Patrick Stewardt, dafür aber sehr viel Picasso, Monet, Matisse und Warhol uvam gesehen.
So bleiben einfach ein paar Punkte für den nächsten New York Besuch übrig, was ja auch ganz schön ist.

Wobei ich nicht glaube, daß ich privat Urlaub in New York machen möchte.Also überlasse ich es dem Schicksal, ob es mich nocheinmal nach New York führt.

New York

Abgelegt unter: Auf See — Claudia Reimer @ 12. September 2010

New York also… Die halbe Überfahrt waren alle aufgeregt und machten Pläne, was man alles in New York machen wolle/solle/könne.
Nun wollte ich eigentlich noch nie nach Amerika und wenn schon dann eher nach New Orleans und habe mich relativ wenig darum gekümmert, was ich sehen wollte. Ein Kollege hatte einen Reiseführer gekauft und in dem schmökerte ich, beschloß aber nach einem Vortrag einer mitreisenden  Photographin, die lange in New York gelebt hat, die Stadt einfach auf mich wirken zu lassen, ohne große Erwartungen.

Die erste große Erwartung wurde auch gleich am ersten Tag um 6:00 zerschlagen. Wir fuhren recht langsam. Dies geschah weil die Amerikaner sehr starke Gewerkschaften haben. Wenn man einem Hafenarbeiter das Tau fürs Schiff um 7:59 zuwirft, statt wie geplant um 8:00 wird eine halbe Nachtschicht Hafenarbeiterarbeit berechnet. Daran sollten sich deutsche Schauspieler mal ein Beispiel nehmen.
Also wir fuhren im Morgengrauen auf New York zu.
Ich weiß nicht, wie es anderen geht, ich jedenfalls dachte die Freiheitsstatue sei groß und deutlich von Weitem sichtbar - sozusagen der Wegweiser aller, die seit Monaten aus der alten Welt auf See auf ihr neues Leben in der Freiheit hinfiebern.
Das Erste, was man sieht ist aber Manhattan.
Und der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoß war: "Gott, ist das hässlich!"
Einige Wolkenkratzer machten ihrem Namen alle Ehre: sie verschwanden fast in ein paar tiefhängenden Wolken, das Licht war grau, trüb und in der Stadt glitzerte und flimmerte gar nichts.
Dann konnte man irgendwann links klein und mickrig die "Fackelelse" sehen. Weder pompös noch besonders beeindruckend.
Manhattan stiehlt ihr einfach die Show.

Unser Liegeplatz befindet sich quasi mitten in der Stadt. Vom Achterdeck sieht man New Jersey, die Nase zeigt direkt auf die 49. Straße.
New York ist wunderbar einfach strukturiert: von Nord nach Süd verlaufen Avenues und von West nach Ost, schön logisch durchnummeriert, Straßen, von unten nach oben fortlaufend durchnummeriert. Das macht eine Orientierung sehr einfach (außer in einigen Stadtteilen, wie z.B. Greenwich Village, wo Straßen auch mal kreuz und quer laufen). Für den ersten Tag hatten wir uns vorgenommen, einfach mal loszulaufen und zu gucken.
Das Wetter hatte sich mittlerweile zu einem sonnigen Tag mit freundlichen 26° entwickelt.

Wir liefen also die 49. Straße runter bis zum Broadway (die einzige Straße, die das Gittermuster von Nord nach Süd diagonal durchschneidet). Am Broadway bogen wir nach links und folgten der Theatermeile. Schon bevor wir auf den Broadway kamen, sahen wir die ersten Theater: Kelsey Grammer ("Frasier") spielt "La Cage aux Folle", nebenan läuft "Wicked" Bernadette Peters spielt "A Little Nightmusic" und dann kommt der Broadway und die Reizüberflutung. Man kennt es aus Film und Fernsehen und es sieht im Original genau so aus.
An einer Ecke erwarben wir ein paar Creamcheese-Bagles, setzten uns auf die überall herumstehenden Stühle am Times Square und machten Pause, um dann weiter den Broadway bis zur 14. Straße herunter zu laufen. Wir tranken Kaffee und liefen den die 14. Straße bis zur 8. Avenue und diese dann wieder hoch bis zur 49.
Um 17:00 waren wir wieder am Schiff.
Ich hatte kleine Blasen an den Füßen.

Für nach 00:00, am nächsten Tag verabredeten wir uns zum Ausgehen. Jemand, kannte eine Bar "Don't tell Mama" in der 47. Straße, in der viele Broadwaydarsteller arbeiten oder abhängen. Dort steht ein Piano und es gibt ein "Open Mic", man legt dem Pianisten die Noten hin und der spielt dann mal eine Art live Karaoke mit Profis… wahrscheinlich überlegete man gerade, ob man schließen wollte, als unsere 8 köpfige Gruppe eintraf, aber man ließ sich nichts anmerken… der Laden war bis auf uns, zwei Leute Bedienung, den Pianisten und zwei Stammgäste leer. Trotzdem servierte man uns unsere Drinks und sang für uns.
Irgendwann zwischendrin beschlich mich der Gedanke: "Wahnsinn! Ich sitze in New York, in einer Bar!" … nach 2 recht gut gemixten Cosmopolitan, die inkl. Tip mit 30,- $ zu Buche schlugen, gingen wir zurück.


Für den nächsten Tag hatten wir uns eine kleine Tour zurechtgelegt: mit der Metro gings zum "Ground Zero". Was soll ich dazu sagen? Wenn man nicht wüsste, was dort passiert ist, wäre es nichts weiter als eine riesige Baustelle. Und selbst mit dem Wissen, was dort passiert ist, ist es eine riesige Baustelle.Beeindruckend dagegen ist die kleine St. Johns Chappel, die sich neben dem Ground Zero befindet. Dort fanden die Helfer in den ersten Tagen und Wochen Trost, Unterstützung, eine warme Mahlzeit und einen Schlafplatz. Ein Feldbett steht noch in der Kapelle, so wie es von den Helfern hergerichtet wurde, mit einer bunten Tagesdecke und einem kleinen Kuscheltier. Außerdem steht dort ein Seitenaltar mit all den Photos der Opfer. Die Katastrophe, die am Ground Zero nur sehr abstrakt wahrzunehmen ist, bekommt hier plötzlich wieder ein Gesicht… und es berührt ganz unvermittelt.

Von dort wandten wir uns zur Brooklyn Bridge, die wir aber nicht ganz überquerten, um danach durch China Town und Little Italy zu laufen. In SoHo fanden wir eine kleine, sehr schöne, feine Tapas Bar und tranken ausgezeichneten Kaffee und aßen spanische Tapas
Bisher fand ich es schwierig, hier in Amerika guten Kaffee zu finden. In New York hatten wir bei den "Ausländern" den besten Kaffee: am ersten Tag bei "Lavazza" und am zweiten Tag bei eben jenem Spanier.
In Greenwich Village legten wir noch einen Stop in einem Kaffee mit Namen "Once Upon a Tart" ein… und suchten uns dann eine U-Bahn Station für die Fahrt zurück.
Ich hatte große, schmerzende Blasen an den Füßen.

Noch bin ich nicht besonders überwältigt oder beeindruckt von New York. Es ist eine Großstadt. Sie ist übersichtlich und bietet für jeden etwas. Man kann gut laufen, ich fühle mich sehr sicher. Aber ob ich hier für einen Urlaub herkommen wollen würde, weiß ich nicht.
Nächstes Mal stehen bei mir Uptown Manhatten, also Rockefellercenter und Central Park evtl. MoMa oder Guggenheim auf der Liste.
Schaun mer mal.

Norwegen, Nordkap, Island und ein bißchen Schottland

Abgelegt unter: Auf See — Claudia Reimer @ 12. August 2010

Unserer Strecke führt uns in den Norden in den Geirangerfjord, ans Nordkap nach Island und Schottland.
Dabei gibt es enorm viele Seetage. Bei ca. 13° auf See fällt der Aufenthalt auf dem Außendeck immer recht kurz aus.
Aber: wer Landschaft mag, ist hier genau richtig!

Die Einfahrt in den Geirangerfjord dauert ungefähr eine Stunde und in dieser Woche hatten wir das Glück, daß tatsächlich die Sonne schien und nicht alles hinter tiefhängenden Wolken und Nebelbänken verschwand. Obwohl gerade das Regenwetter der letzten Reise klar machte, wieso es hier so viele Trolle gibt: man ahnt sie quasi überall.
Da Trolle bei Sonnenschein zu Stein erstarren, sahen wir diese Woche keine. Dafür aber eine Menge Landschaft. Bei der Einfahrt in den Fjord unter anderem die Wasserfälle des Bräutigams, der über seine vergebliche Werbung zum Alkoholiker wurde, was sich durch eine deutlich sichtbare Flaschensilouhette im Wasserfall zeigt und der 7 Schwestern, die leider recht wenig Wasser führen.

Zusammen mit meinem Kollegen machte imich in Geiranger auf eine kleine Wanderung: vor dem Fjordzentrum war eine Karte mit den Wanderwegen der Umgebung und wir suchten uns eine Strecke aus. Es ging über Stock und Stein immer schön bergan, roch wunderbar wie damals in meinem Kindheitsurlaub im Bayerischen Wald, ein Geruch, den ich immer mit "Blaubeersträuchern" verbinde. Den Abzweig nach links fanden wir nicht, dafür ging es immer steiler bergauf und wurde leider irgendwann sehr matschig. Die Vorstellung, diese Matschroute auf dem Rückweg wahrscheinlich mehr auf dem Hintern, als auf den Beinen zu bewältigen, ließ mich irgendwann umkehren.
Dadurch verpasste ich die Hütte oben, in der man leckere Waffeln bekommen soll. Stattdessen wartete ich weiter unten, gefangen in einer italienischen Großfamilie auf meinen Begleiter, den es zum Gipfel zog.
Zur Belohnung gab es dann unten in einem niedlichen Café Kaffee und Pfannkuchen mit Blaubeermarmelade und saurer Sahne.
Köst-lich!

Es ist überhaupt erstaunlich, daß ich bisher überall, wo wir waren IMMER sehr guten Kaffee bekam.

Einige Kollegen hatten gewarnt, das Nordkap sei total öde, die Fahrt dahin langweilig lalala ich wollte es trotzdem sehen. Und es war toll!
Die Fahrt von ca. 45 Minuten war mitnichten langweilig, weil die Landschaft einfach so unglaublich weit ist: Buchten, Seen so spiegelglatt daß sich in ihnen der Himmel spiegelt, Hügel, weite Ebenen und weit und breit kein Mensch…

Auch am Nordkap herrschte trotz ca. 2500 Touristen (nach uns legte noch ein weiteres Schiff in Honnigsvåg an) eine seltsame Ruhe.
In der Nordkaphalle findet man einen riesigen Souvenirshop, 3 Restaurants, ein Kino in dem ein Film mit Impressionen des Nordkaps zu allen Jahreszeiten gezeigt wird, eine kleine Kapelle, eine thailändische Gedenkstätte, die an den Besuch des Königs von damals noch Siam 1905 erinnert und das berühmte Postamt.
Geht man durch die Halle kommt man an die Spitze der Landzunge auf der der eiserne Globus steht, der die nördlichste Stelle Europas auf 71°, 10‘, 21“ markiert.
Wir hatten absolut traumhaftes Wetter, der Himmel über dem Horizont war schon Dunkelorange, die Sonne selbst strahlte golden über das Wasser, ein paar vereinzelte Wolken färbten sich lila und es ging eine leichte Brise.
Und über all dem lag diese fast magische Ruhe…

Ich schrieb ein paar Postkarten die ihre Empfänger hoffentlich mit dem extraordinär-super-speziellen Nordkap-Stempel erreichen. Übrigens das Einzige das ich trotz des festen Vorsatzes, mir endlich mal etwas total-blöde-touristisches zu kaufen, erwarb.

Tatsächlich waren mir, die 2 Stunden dort fast zu knapp. Gerne wäre ich noch auf einem der Wege die Steilküste entlang gewandert, aber wir mussten zurück zum Schiff.
Dort wartete eine Party auf dem Pooldeck auf uns. Während also um 00:00 kurz eine „blaue Stunde“ eintrat legten wir zu den Klängen von „Life is Live“ und „Ein Stern…“ ab.
Diese Landschaft hätte etwas Schöneres verdient. Aber wer will auf so einem Musikdampfer schon die Peer Gynt Suite hören?
Wir alle spürten die Wirkung der Mitternachtssonne: es wurde nicht dunkel, blieb blaue Stunde bis um 2:00 die Sonne auch schon wieder dramatisch orangeglühend aufging.

Obwohl das Wetter in Geiranger und Honnigsvåg so wunderbar gewesen war, warteten die Seetage nach Island mit Wolken und Nebelbänken auf. Schon bei unserer letzten Anfahrt auf Island passierten wir dichten Nebel um plötzlich von strahlendem Sonnenschein in der Bucht begrüßt zu werden.
Morgens ab 10:00 soll man Wale sehen können.
Tatsächlich sah ich ein paar Rücken und Finnen. Das Glück, auf das wir alle hoffen, daß ein Wal mit einem Riesensprung den Weg des Schiffes kreuzt - idealer Weise mit einer kleinen Verzögerung in der Luft, so daß man ihn auch noch gut photographieren kann - war uns noch nicht beschieden.

Auf Island lohnt sich ein Ausflug in die blaue Lagune und natürlich zum Thingvellir, dem Gulfoss Wasserfall und einem Geysir Gebiet… Ich weiß nicht, wie man diese Landschaft beschreiben soll?
Wie alle Vulkanlandschaften (?) ist sie sanft geschwungen, die Berge werfen sanfte Falten. Manche sind mit Lavastaub bedeckt und schwarz, manche sind moosbewachsen. Dieses Grün marmoriert in mindestens 7 verschiedenen Schattierungen das Ockerbraun. Die Flüsse und Seen sind tiefdunkelblau, es gibt karstige Lavafelder, die mit schwefelgelben Flechten überwachsen sind und weite, weite grüne Ebenen.
Es ist eine „Herr der Ringe“-Landschaft und ich erwarte jederzeit berittene Armeen über die Hügel galoppieren zu sehen, stattdessen grasen überall Islandpferde und Schafe.

Der Thingvellir ist das alte Freiluft-Parlament Islands. Hier versammelten sich früher einmal im Jahr alle freien Menschen Islands und hielten Gericht. Es gab keine geschriebenen Gesetze, sondern immer einen Wikinger, der für 3 Jahre gewählt wurde und die Gesetze auswendig wusste. Noch heute gelangt man zu dem ehemaligen Versammlungsplatz durch eine schmale Passage zwischen knapp 10m hohen schwarzen Steinwänden. Und ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie die Ebene vor Zelten wimmelte.
Sogar die Unabhängigkeit Islands 1944 wurde dort verkündet. Ich nehme an, daß man damals dort aber nicht mehr in Torfhütten campierte. Später wurde der Althing nach Reykjavik verlegt.

Der Gulfoss Wasserfall ist einfach unglaublich beeindruckend… ich kann nur sagen, daß mich Island jenseits aller Worte und Bilder sehr beeindruckt hat.

Invergordon ist wahrscheinlich die langweiligsten Stadt Schottlands. Man kann allerdings von dort aus schnell nach Inverness, nach Cawdor Castle oder dem Loch Ness. Ich fuhr zum Dunrobin Castle.
Unser Reiseleiter meinte, das Wetter sei toll, da der Regen ja nun nicht waagerecht, sondern senkrecht fiel… es goß aus Eimern.
So sah ich mir den traumhaften Park von Dunrobin Castle aus dem ersten Stock des Schlosses an, von wo aus man einen spektakulären Blick auf den Garten und das dahinterliegende Meer hat. Das Schloß hat 200 Zimmer von denen man nur 20 besichtigen kann.
Ich kann mir nicht vorstellen, was man an Heizkosten für so ein Schloß zahlen muß? Die Dutchess of Sutherland lebt jedenfalls hochbetagt in einer Wohnung in der nächsten Stadt. Sie hat 2 Söhne, Zwillinge, von denen einer im schottischen Parlament arbeitet und der andere das Land bewirtschaftet.
Vielleicht kann ich doch noch einen von ihnen kennenlernen und überzeugen, mich zu heiraten und mit mir die 180 verbleibenden Zimmer des Schlosses zu bewohnen?

Schnipp-Schnapp…

Abgelegt unter: Allgemein, Privat — Claudia Reimer @ 27. Juni 2010

… Haare ab!

Mein Vater war, nach eigener Aussage, 23 als er sein erstes graues Haar entdeckte. Als ich ihn kennenlernte war er 36 und bereits stark graumeliert, soweit ich mich an ihn erinnere tue ich dies als an einen weißhaarigen Mann.

Das führte zu einigen Anekdoten:
als er 38 und meine Mutter 30 waren fuhren sie gemeinsam mit einer ebenfalls weißhaarigen, aber nur 4 Jahre älteren Freundin in den Urlaub. Bei einem abendlichen Tanz wurde meine Mutter von einem Einheimischen aufgefordert. Während des Tanzes deutete der junge Rumäne auf meinen Vater und die Freundin der Familie und fragte "Mama und Papa?"
Als meine Mutter ihn aufklärte, daß es sich um ihren Ehemann handele, hätte der schüchterne junge Mann sie vor Verlegenheit fast auf der Tanzfläche stehen lassen.

Obwohl als junger Mann eher brünett mischten sich in die weißen Haare meines Vaters schwarz anmutende Stellen, ließ er sich einen Bart stehen war auch dieser schwarz mit vereinzelten weißen Häärchen. Dies verleitet eine Kollegin zu der Aussage: "Also der Herr Reimer ist ja sehr nett, aber daß der sich die Haare weiß färbt…"

Als mein Vater 45 wurde, also im Jahr 1976, wurde er gefragt, ob er sich auch noch an die große Schweinegrippen-Epedemie im Jahre 1909 erinnere??? Häufig wurde er gerne mitleidig gefragt wie lange er denn noch bis zur Rente habe?

So ist es wohl nicht verwunderlich, daß ich mich lange dagegen sträubte den Genen meines Vaters nachzugeben. Denn mit 24 zupfte ich einen vermeintlichen Faden aus meinen Haaren. Der kurze Schmerz, der mit dem Zupfen verbunden war, belehrte mich eines Besseren: es war kein Faden, es war mein erstes graues Haar… nun hat man als Frau den unschätzbaren Vorteil, daß man sich die Haare färben kann.
Ich tat dies seit ich 15 oder 16 war: zunächst blonde Strähnchen, später eine Rot-Braun-Spülung. Es folgten alle Nuancen gefärbtes Rot von Kastanie bis Pumuckel und schließlich braun, sehr lange braun.
Zwischenzeitlich wieder einige Experimente in Rot, dann wieder Braun.
Irgendwann wurde der helle Ansatz zu einem diffusen weiß-grauen Heiligenschein und somit musste die Frequenz der Färberei erhöht werden. Dies bald leid, folgte ein knappes Jahr in blond.
Blonde Haare haben den Nachteil, wenn sie mittels Farbe blond wurden, strohig zu sein. Mein ohnehin schon trockenes Haar erreichte einen Grad von Trockenheit, der kaum zu beschreiben ist, also wurde ich wieder dunkel.

Naja, dunkel … reichten früher 8 oder manchmal 12 Wochen als Pause, waren es jetzt 4.
Maximal.

Meine Neugier war geweckt: was würde passieren, wenn ich meine Original-Haarfarbe trüge?
Würden mir freundliche junge Pfadfinder über die Straße helfen?
Bekäme ich im Restaurant ungefragt Seniorenteller?

Nun, nach langem Hin und Her habe ich nun die Gelegenheit es am eigenen Leibe zu erfahren: seit einer Woche sind die Haare raspelkurz. Anders ließen sich die Reste der zuletzt getragenen Farbe nicht entfernen.
Neue Photos sind gemacht.
Ich bin ein anderer Typ.

Und sehr gespannt, wann mich der Erste fragt, wie lange ich noch müsste bis zur Rente?

Wie ist es denn so?

Abgelegt unter: Auf See — Claudia Reimer @ 02. Mai 2010

Diese Frage wird einem unglaublich häufig gestellt, wenn man auf einem Schiff arbeitet.
Und es ist schwierig diese Frage vollständig zu beantworten, denn es gibt Vieles, das einem erstmal schlimm erscheint, das an Bord dann plötzlich keine Rolle mehr spielt und umgekehrt.
Alle, mit denen ich vor ihrem ersten Aufstieg sprach, bestätigten mir hinterher, daß etwas dazu kommt, was man nicht beschreiben, sondern nur erleben kann.

Dennoch, der Versuch einer Beschreibung:

Es ist, als lebte man in einer riesigen WG oder einem Haus, in dem 600 andere Menschen leben die zu 80% nicht-europäischer Abstammung sind. Anders als in einer WG, wo die Mitbewohner auch mal aushäusig sein können, trifft man, sobald man seine Kabine verlässt Menschen.
Und man grüßt.
Manchmal 1000 Mal am Tag, häufig 3 Mal hintereinander die selben Leute.

Auf jedem Schiff existiert eine Parallelwelt aus Gängen und Treppenhäusern neben dem Passagierbereich. Auf amerikanischen Kreuzfahrtschiffen, wo es der Crew absolut untersagt ist, sich im Passagierbereich aufzuhalten, existiert sogar eine ganze Crew-Welt mit eigenem Kino und verschiedenen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Auf den Schiffen, die ich bisher kennengelernt habe, ist es der Crew nicht verboten, den Passagierbereich aufzusuchen, aber der Aufenthalt ist geregelt. Was erstmal empörend klingt ("Ich werde mir doch nicht vorschreiben lassen, wo ich hingehen kann!"), regelt sich meist von selbs, sobald der Reiz des Verbotenen verpufft ist.

Das Wichtigste auf einem Schiff ist aber die Disziplin. Schiffe sind immer noch straff-militärisch organisierte Biotope. Wer sich jemals über "Titanic" hinaus mit Schiffskatastrophen beschäftigt hat, weiß wie unglaublich wichtig es ist, das jeder an Bord weiß, was er zu tun hat.
Ein kleiner Exkurs:
Das Unglück der Fähre "Estonia" wird den meisten noch in Erinnerung sein. Das Schiff bekam sehr schnell Schlagseite. Und zwar so extrem, daß man sich in den Treppenhäusern nur an den Handläufen hangelnd auf das nächsthöhere Deck begeben konnte. Die Crew hatte keine klaren Sicherheitsaufgaben, manche halfen noch den Passagieren bis sie sich selbst in Sicherheit brachten, andere nicht… es war mitten in der Nacht, fast alle hatten geschlafen und trugen Nachthemden, wegen der extremen Schlagseite konnte die Hälfte der Rettungsboote nicht ausgesetzt werden, Rettungsinseln kippten in der schweren See und die Menschen retteten sich auf die umgekippten Inseln, wo sie dann wegen zu leichter Bekleidung erfroren…
Das Schiff sank in knapp 1 1/2 Stunden.
Hat man solche Katastrophen vor Augen wünscht man sich 2 Dinge: zum Ersten, daß man soetwas nie, nie, nie am eigenen Leibe erleben möge und daß, wenn es passiert, jeder weiß, was er zu tun hat.
Dafür wird man gedrillt. Regelmäßig. Und das Wort "Drill" ist durchaus wörtlich zu verstehen. So nett vorgesetzte Offiziere untertags sein mögen,beim Drill wird kein Spaß verstanden.
Immerhin war ich bei einem morgens ausgelösten Alarm, der mich aus dem Tiefschlaf riss, schon in der Hose und klatschte mir zum Wachwerden kaltes Wasser ins Gesicht bis die Meldung kam, daß es sich um einen Fehlalarm handelte…

Gegessen wird zu festgelegten Zeiten was auf den Tisch kommt. Außerhalb der Essenszeiten bekommt man trockenes Brot, Kaffee, Tee, heißes Wasser. Eine Mikrowelle ist den ganzen Tag verfügbar.
Die Essensauswahl ist gut: mittags und abends stehen 2 warme "europäische" Gerichte zur Auswahl, eines vegetarisch, das ander für Fleischesser, außerdem gibt es phillipinisches und indisches Essen.
Dabei bedeutet vegetarisches Essen auch: Kartoffelpuffer mit Apfelmus oder Dampfnudeln mit Blaubeersauce. Ansonsten ist das vegetarische Essen sehr Nudellastig, da man aber alle Beilagen kombinieren kann, findet sich eigentlich immer etwas.
Einziger Nachteil: wie bei jeder Kantine, jedem Lieblingsrestaurant auch tritt nach einer Weile eine gewisse Geschmacks-Ermüdung ein. Wer ißt schon zwei Mal täglich über Monate in seinem Lieblingsrestaurant??? Gerichte, die einem anfangs gut schmecken, möchte man nach 3 Monaten an die Wand werfen (die Qualität des jeweiligen Kochs ist allerdings auch nicht von der Hand zu weisen).

Dringend benötigte Gegenstände des täglichen Gebrauchs, wie zum Beispiel Zahnbürsten, Waschpulver, Süßigkeiten und Chips bekommt man in der Crewbar, abends werden dort auch alkoholische und nicht-alkoholische Getränke sowie warme Würstchen serviert. In der Crewbar wird geraucht. Als Nichtraucher tut man gut daran, sich ein paar Extraklamotten für die Crewbar zuzulegen, denn der Kalterauchgeruch haftet in der Kleidung.

Und die Arbeit?
Als Schauspielerin (auch als SängerIn, TänzerIn oder AkrobatIn) hat man den unschätzbaren Vorteil, daß man abends arbeitet. Abends legt das Schiff meistens ab und macht sich auf den Weg zum nächsten Hafen. Da sich die Proben tagsüber in Grenzen halten, darf man etwas, was für alle anderen Abteilungen auf dem Schiff schwierig ist: rausgehen und die jeweilige Stadt, das Land erkunden!
Dafür wird man oft genug heimlich beneidet oder offen angefeindet.
Sprüche wie "So wie Du hier arbeitest, möchte ich mal Urlaub machen!" sind keine Seltenheit. Nachdem ich mich monatelang für meinen Beruf und meine Arbeitszeiten entschuldigt und erklärt habe, verweise ich mittlerweile auf die E-Mail-Adresse der Castingabteilung mit der Aufforderung sich doch dort zu bewerben.

Das Gute ist, daß die Zuschauer in Urlaubslaune sind und keinen extra Eintritt für das Theater bezahlen. Man hat also ein zu 99% gut gelauntes Publikum, wer nicht mag, was er sieht geht einfach, die meisten bleiben. Und die Rückmeldungen aus dem Publikum sind immer positiv.So schwimmt man auf einer Welle des Erfolges, die vieles von dem wett macht, das anstrengend ist.

Nordsee

Abgelegt unter: Auf See — Claudia Reimer @ 16. April 2010

Unsere Strecke las sich ja zunächst eher… uninteressant: Hamburg - Le Havre - Dover - Antwerpen - Amsterdam (overnight) - Hamburg, aber sie ist tatsächlich gar nicht mal so doof.

Viel Schlechtes gab es schon im Vorfeld über Le Havre zu hören. Was im Katalog so blumig als "Le Havre (Paris)" angekündigt wird, bedeutet eine 3 stündige Busfahrt in die Hauptstadt. Wenn man also keine Lust hat, 6 Stunden im Bus zu verbringen, um ein paar Stunden durch Paris zu tappen, bleibt man vor Ort.
Le Havre wurde, so hörte ich, im 2. Weltkrieg fast komplett zerstört und nach dem 2. Weltkrieg in Windeseile in einer Mischung aus 30er Jahre Klotz-Optik und sozialistisch anmutenden Baustil wiedererbaut.
Deutlicher Vorteil der quadratischen Betonklötze: sie sind selten höher als 4 Stockwerke. Und die geradlinige Straßenführung macht ein Verlaufen fast unmöglich.
Erste Entdeckung: das Chipsregal des "Marché Plus". Hier gibt es Cracker mit Ziegenkäse- und Tuc mit Käsegeschmack. Jede Woche wird eine neue Sorte Cracker oder Chips gekauft und abends in der Crewbar verkostet.
Die Leute in Le Havre sind für Franzosen unglaublich freundlich und sehr bemüht, auch andere Sprachen außer ihrer eigenen zu sprechen :-)
So haben wir ein kleines Café, eigentlich eine Bäckerei mit ein paar Stühlen, entdeckt, in dem eine junge Frau arbeitet, mit der wir uns in 4 Sprachen versuchen zu unterhalten. Sie wird am Nachmittag von ihrem Kollegen abgelöst, der seine fast akzentfreien Deutschkenntnisse an uns ausprobiert. In dem Café gibt es 3 Sorten selbstgemachte Quiche und leckeren Kaffee.
Nach 14:00 öffnen sogar einige Geschäfte und man kann ein wenig Bummeln.
An der Strandpromenade reihen sich Cafés an Restaurants und man kann das ein oder andere alte Gebäude entdecken. Noch ist alles ein wenig vor-saisonal-verschlafen, aber wenn in den nächsten Wochen der Frühling ausbricht sollte Le Havre wirklich entzückend sein!
Erstaunlicher Weise befindet sich im örtlichen Museum eine der größten Sammlungen impressionistischer Malerei (nach dem Musée d'Orsay) Frankreichs, die man sich gut an einem nicht so schönen Tag ansehen kann.

Von Dover aus soll man auch nach London kommen. Mit der Bahn dauert das knapp 1 1/2 Stunden. Auch hier ist die Frage, ob man tatsächlich für ein paar Stunden in die Hauptstadt will, oder lieber Südengland erkundet.
Ich gestehe: ich bin parteiisch.
Ramsgate, wo ich mit 13 und 14 jeweils 3 Wochen Sprachurlaub machte, liegt ca. 20km nördlich von Dover. Und Dover ist Ramsgate sehr ähnlich: eine lange, geschwungene Promenade mit diesen typisch englischen Häusern in gelbem Backstein, weiß umrahmten Fenstern und kleinen Vordächern über der Eingangstür, kreischende Möwen und Menschen die diesen wunderbar südenglischen Akzent sprechen, den ich seit nunmehr fast 30 Jahren nicht mehr gehört habe.
Überdies erhält man als Crewmitglied im Terminal einen sogenannten Kent-Pass und hat damit freien Eintritt in viele Sehenswürdigkeiten der Grafschaft Kent. Da man im Dover Castle 16 Pfund (ca. 20,-€) zahlt, lohnt es sich also.
Wenn man sich das Schloß angesehen hat, kann man auch wunderbar nach Canterbury fahren.
Die Fahrt dauert maximal eine halbe Stunde und bringt einen in eine kleine. pitoreske Stadt, die man sich gar nicht englischer denken kann.
Die Kathedrale in der unter anderem Thomas Beckett, Henry IV und Edward der schwarze Prinz begraben sind ist eine Wucht: sie protzt nicht auf katholische Weise sondern mit allem Understatement zu dem die Angelikaner fähig sind. Im Anschluß noch ein echter englischer Tee mit Scones, Clotted Cream und Marmelade… herrlich!

Im Gegensatz zu LeHavre und Dover, wo man mit einem Shuttelbus in die Stadt fahren muß halten wir in Antwerpen mitten in der Stadt.
Vom Schiff aus ist man in 5 Minuten an der Liebfrauenkirche, die eine Besichtigung lohnt, genau so wie der "Stadtfestzaal", eine Einkaufspassage in einer riesigen Halle mit goldenem Stuck. Essen und Trinken ist in Antwerpen erstaunlich teuer, die belgischen Männer unglaublich gutaussehend.
Man sollte an einem der vielen Stände an der Strasse eine echte belgische Waffel probieren. Kein Vergleich zu den abgepackten Kollegen, die man sich zu Hause im Toaster warm macht! Die berühmten belgischen Pommes Frites allerdings schmecken, wie Pommes dereinst in Deutschland zu schmecken beliebten, wenn man sie an einem guten Imbiss kaufte.

Auch in Amsterdam hat man vom Schiff aus einen kurzen Weg in die Stadt: in knapp 10 Minuten ist man am Bahnhof und auf der Damrak. Leider bleibt mir nicht viel von Amsterdam zu schreiben, da ich bisher nur zwei Mal die Gelegenheit hatte, die Stadt zu erkunden. Wie üblich bin ich mit meinem Kollegen ziellos durch irgendwelche Gassen getapert, haben dabei ein wunderschönes Café mit dem besten Kaffee der Strecke entdeckt und keinen Überblick über die Stadt erhalten.

Lissabon

Abgelegt unter: Auf See — Claudia Reimer @ 25. Februar 2010

An einem Wochentag muß Lissabon eine pulsierende Stadt sein, wenn die Sonne scheint, ist diese Stadt bestimmt ein Traum - allerdings ist es Sonntag Abend als wir portugiesischen Boden betreten und es regnet leicht.
Nach einigen Umständen finden wir eine Straßenbahn- und Bushaltestelle und nach kurzem Warten bringt uns eine Straßenbahn zur Praça da Figuera. Das Ticket kostet, 1,40 €. Mein Begleiter löst für uns beide und macht Gewinn. Für die 2,-€, die er einwarf, bekommt er als Wechselgeld 2,-€. Man fragt sich, ob die lissaboner Verkehrsbetriebe kostendeckend arbeiten?

Als wir an der Praça de Figuera aussteigen, ist der Regen schon stärker geworden. Wir schlendern los in Richtung des großen Fahrstuhls, der den unteren Teil der Stadt mit dem Oberen verbindet, gehen hinter ihm vorbei zu Fuß die steile Straße hinauf.
Einige Touristen sind unterwegs, wenig Einheimische, die Pracht der Häuser kann man in der von gelben Laternen erleuchteten Dunkelheit erahnen. Viel Jugendstil, die oberen Hälften der Häuser mit bunten Fliesen verziert, aber auf den heruntergelassenen Rolläden der Geschäfte die allgegenwärtigen Tags und Grafittis.

Der Regen wird stärker und wir beschließen, ein Café aufzusuchen. Das Erste, das uns ins Auge springt „Do Brasil“ ist wunderschön mit dunkelroten Wänden, goldenem Stuck, Kronleuchtern und ca. 20 Leuten in der Schlange vor uns, die auch auf einen Platz in dem überfüllten Café warten.

Auch die Cervejaria „Trinidade“ ist überfüllt und eine Schlange wartender Gäste reicht bis an die Tür.

Schließlich stoßen wir an einer Ecke auf das Café „Buenes Aires“. Es sieht einladend gemütlich aus und es gibt noch freie Plätze. Mein Begleiter versucht, die Tür zu öffnen, was nicht gelingt. Also muß es woanders noch eine Tür geben. Wir gehen um die Ecke: zwei Fenster durch die man in das Café blicken kann, keine Tür.
Wir gehen zurück, die Tür lässt sich immer noch nicht öffnen. Vielleicht muß man doch um die Ecke und durch einen Hinterhof? Unser Ehrgeiz ist geweckt!
Nein. Um die Ecke nur die zwei Fenster, im Nebengebäude befindet sich eine psychiatrische Klinik. Vielleicht kann man sich dort einliefern lassen, wenn man lange genug verzweifelt versucht hat, die Tür des Cafés zu finden?
Zurück zur Tür oder dem, was wir dafür halten.

Nun wird eine der Kellnerinnen auf uns aufmerksam und lässt uns ein. Es IST eine Tür und sie ist nur von innen zu öffnen. Ob wir reserviert hätten? Nein, haben wir nicht. Es wird eine lange Tirade auf portugiesisch losgelassen, die wir nicht verstehen, weil wir beide kein Portugiesisch können, ich aber mit „OK!“ beantworte, weil ich denke, man teilt uns mit, wir könnten an jedem anderen Tag wiederkommen, dann wird ein „Reserviert“ - Schild von einem 2er Tisch geräumt und uns die Karte gebracht.

Ein Korb mit Brot und ein Töpfchen Tarpenade werden ebenfalls auf den Tisch gestellt. Da wir satt sind bestellen wir nur zwei Gläser Wein und Mineralwasser.
Das Wasser kommt, der Wein nicht.

Es herrscht rege Betriebsamkeit. Und wir sinnieren darüber, ob es irgendwelche Landessitten gibt, die wir nicht kennen? Zum Beispiel, ob alkoholische Getränke prinzipiell nur zum Essen ausgeschenkt werden?
Leider sind wir beide nicht in der Lage, es in Erfahrung zu bringen.

Mein Begleiter versucht, die Aufmerksamkeit der Kellnerin zu erlangen, was an sich ein schwieriges Unterfangen ist und 15 Minuten dauert, er fragt nach dem Wein, die Kellnerin nickt und geht.

Also: sie verlässt das Lokal.

Zeit für mich einen hysterischen Lachanfall zu bekommen. Haben wir mit unserer Nachfrage ein ungeschriebenes Gesetz der Gastfreundschaft verletzt? Müssen Kellner, die auf ihr Fehlverhalten aufmerksam gemacht werden, fristlos selber kündigen? Oder Strafrunden durch den Regen drehen?

Unser Wein wird von einer Kollegin gebracht. Schließlich taucht die Kellnerin wieder auf, einen Karton Wein unter dem Arm. Wahrscheinlich war einfach der Nachschub alle.

Schließlich bestellen wir die Rechnung und gehen in den mittler Weile strömenden Regen hinaus. Auf der Rückfahrt erwischen wir eine alte Straßenbahn - in jeder anderen Stadt müsste man wahrscheinlich 5,-€ und mehr für die Fahrt in einem „historischen Straßenbahnabteil“ bezahlen, aber es kostet tatsächlich auch hier nur 1,40 €…

Durchnässt kommen wir um 21:30 im Hafen an. Bei Tag ist Lissabon bestimmt eine pulsierende Stadt, bei Sonnenschein muß es ein Traum sein… es bleibt die Erinnerung an gelbes Licht und Regen.
 

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