Wir starteten in New York, wo es mittlerweile zwar immer noch schön, aber doch langsam spürbar herbstlich war. Unsere Strecke sah folgende Häfen vor: Baltimore, Charleston, Nassau, Jamaica (Ocho Rios) und die Dominikanische Republik.
Es hatte sich schnell herumgesprochen, dass man von Baltimore aus in ca. einer Stunde mit Taxi oder Bahn nach Washington fahren könne.
So fand sich denn also eine 10 köpfige Gruppe zusammen, die versuchte herauszufinden, wie und wo man das nächste Taxi zum Bahnhof bekäme. Am Terminal stand ein kleiner älterer Herr mit bunter Krawatte und Frank Sinatra-Pepita-Hut, der fragte, was unser Begehr sei? Wir wollten nach Washington antworteten wir. Wie viele wir denn wären?
10.
OK, er würde mal schauen.
In der Zwischenzeit kamen auch noch drei Leute aus der Kids- und Teenscrew, die ebenfalls nach Washington wollten. Die zwangsverpflichteten wir kurzer Hand ebenfalls. Auf dem Parkplatz fuhr ein schwarzglänzender Minibus vor. Jemand seufzte: „DEN hätt ich gern!“ und im selben Moment kam unsere männliche Elfe, fragte, ob 30,-$ pro Nase Hin- und Zurück OK seien und deutete auf den schwarzen Minibus.
Wahrscheinlich ist, dass dieser Bus eigentlich für den Crew-Shuttle in die Innenstadt von Baltimore vorgesehen war – zumindest würde es unter anderem erklären, warum der Shuttelverkehr in die Innenstadt nicht so optimal funktionierte, wie uns später die daheimgebliebenen Kollegen berichteten.
Uns war das zu diesem Zeitpunkt nicht klar und wäre es wahrscheinlich auch egal gewesen… also fuhren wir nach Washington. Unser Fahrer ließ uns am Smithsonian Institute raus und versprach, uns um 15:00 wieder einzusammeln. Damit blieben uns gut 2 ½ Stunden, bis wir wieder an Bord sein mussten.
Unsere Gruppe teilte sich rasch. Ich ging mit unserem Teil der Truppe erstmal um den Obelisken herum und dann schnurstracks zum Weißen Haus, das wir erst von hinten und nach einer Kaffeepause auch von vorne bestaunten. Allerdings ist es in Wirklichkeit wesentlich kleiner, als ich es mir vorgestellt habe. Vergleicht man es z.B. mit dem Präsidentenpalast in Santo Domingo, ist es geradezu bescheiden.
Vom Weißen Haus aus wollten wir eigentlich zum Washington Memorial laufen, aber das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung: es fing an, wie aus Eimern zu schütten.
Und es hörte nicht auf.
Eine Weile standen wir – schon gut durchnässt – an einem T-Shirt-Stand eines freundlichen Chinesen unter, aber der Regen ließ nicht nach.
Während die anderen sich weiter tapfer durchschlagen wollten, beschloß ich zusammen mit meinem Kollegen, zum Smithsonian zurückzukehren und dort zu trocknen und einen Kaffee zu trinken.
Die Toiletten im Smithsonian waren voll mit Touristen, die die gleiche Idee hatten und die Händetrockner liefen auf Hochtouren.
Schließlich nur noch klamm, suchten wir den Museumsshop auf, kauften Postkarten und setzten uns mit Kaffee (wie fast überall in Amerika nur mittelmäßig) und Gebäck in die Caféteria und schrieben Postkarten.
Wer sich an dieser Stelle wundert, warum er von mir keine Postkarte aus Washington bekommen hat, dem sei gestanden: sie befinden sich immer noch in meiner Tasche, da ich bis zu unserem Verlassen des Landes keine amerikanischen Briefmarken fand. Vielleicht übergebe ich sie einfach bald persönlich.
Unsere Rückfahrt gestaltete sich dann etwas schwieriger, als die Hinfahrt: wir brauchten fast eine Stunde, um überhaupt aus Washington herauszukommen. Irgendwie waren plötzlich alle Straßen gesperrt. Auch auf der Autobahn herrschte mehr Stop than Go. Wir kamen knapp pünktlich am Schiff an.
Das Rätsel löste sich am Abend: just an diesem Tag hatte es die Bombendrohung im Weißen Haus gegeben (was evtl auch die Scharfschützen auf dem Dach erklärt, aber vielleicht sind die auch immer da??) und die Paketbomben in Deutschland waren aufgetaucht…
Mit Erreichen von Charleston besserte sich das Wetter schlagartig: es wurde warm! Endlich Zeit und Gelegenheit, die Sommerklamotten aus dem Schrank zu holen, die dort schon viel zu lange herumhingen.
Charleston war angenehm entspannt. Alles sehr ruhig, relaxed, das Wetter schön, was will man mehr!?
Ich weiß nicht, ob ich irgendwelche konkreten Vorstellungen von Nassau hatte? Mein schwammig-blumiges Bild wurde jedenfalls erfüllt: Wärme, blauer Himmel mit ein paar vereinzelten Wolken, eine kleine betriebsame Hauptstraße mit bunten Gebäuden und viel Touristenläden. Mit einem Taxi fuhren wir zur Paradise-Island-Beach. Das Paradise Island ist ein riesiger Hotelkomplex – eine Depandance steht auch in Dubai – mit Aquarium und verschiedenen Poollandschaften, sowie Zugang zum Meer. Es beherbergt auch die teuerste Suite der Welt: für 25000,- pro Nacht (Mindestaufenthalt 4 Nächte) kann man sich dort einmieten. Wir verzichteten auf diese Ausgaben, da wir ja eh nur einen halben Tag bleiben wollten. Unser Taxifahrer ließ uns ein wenig vor dem Strand raus und wir wanderten den Strand entlang, bis wir dort ankamen (allerdings muß man sagen: der Strand sieht dort nicht anders aus, als davor oder dahinter) und ließen uns nieder. Um uns herum befanden sich fast ausschließlich amerikanische Touristen, die alle rote oder grüne Bändchen an den Handgelenken hatten. Insofern weiß ich nicht, ob wir völlig unrechtmäßig eine Liege belegten und den anderen die Sonne wegtankten?
Die Athmosphäre jedenfalls war ein bisschen, wie an der Ostsee: in der Ferne Paraglider und Jetski, am Strand Verkäufer, die im Wechsel Tücher, Schmuck und Flöten anboten, sowie emsige Kellner, die den Hotelgästen ihre Drinks servierten. Die Temperaturen waren weit über Ostsee-Niveau und somit angenehm!
In Ocho Rios auf Jamaica befanden wir uns in relativer Nähe zu den „Dunn’s River Falls“ einem Wasserfall, der sich terrassenartig in die Tiefe schlängelt und den man hinaufklettern kann. Wieder ging es mit einem Sammeltaxi zu den Dunns River Falls (überhaupt bin ich bisher hier mehr Taxi gefahren als in Deutschland in einem Jahr. Es ist zwar nicht so teuer, wie in Deutschland, aber doch auf die Dauer etwas frustrierend, dass man kaum etwas zu Fuß erreichen kann).
Nachdem wir unsere Klamotten in einem Schrank eingeschlossen hatten, begaben wir uns zum Fuß des Wasserfalls. Auf einer Treppe, von der aus man zum Teil auf das Geschehen blicken kann und es sieht an manchen Stellen krass aus! Auch beim Klettern ist es teilweise krass. Zwar sind keine großen Höhen zwischen den Steinen zu überwinden, aber die Steine sind manchmal sehr rutschig und die Strömung des herabfließenden Wassers nicht ohne. Jedenfalls weiß man nach einer Stunde, was man geleistet hat!
Entsprechend groß war unser Hunger! Aber bis zu unserem Mittagessen sollte eine Weile vergehen. In der Nähe befand sich eine Art amerikanischer Ballermann: Restaurants und Souvenirshops. Das erste angesteuerte Restaurant, „Margeritaville“, feierte 8 jähriges Bestehen: es war laut, voll und ungemütlich. Im nächsten Restaurant warteten wir nach der Bestellung (5 von 8 Gerichten auf der Karte gab es nicht) eine halbe Stunde auf Essen und Getränke, als wir nachfragten ob wir wenigstens schon einmal das Wasser und den Kaffee haben könnten, kam die erstaunte Frage: „You ordered coffee??“ und kurz danach teilte man uns mit, dass es auch das Hähnchen, das 4 von uns bestellt hatten nicht gäbe… wir gingen. Im dritten Restaurant gab es noch alles und unsere Bestellung kam auch heiß und mit nicht allzu langer Wartezeit auf den Tisch – GottseiDank!
Lecker wars nicht und teuer außerdem.
Mittlerweile hatte ein karibisch warmer, aber nicht wenig hartnäckiger Regen eingesetzt. Wie wir später erfuhren ein Vorläufer des Hurrikans „Thomas“. In La Romana angekommen machte uns auch ebendieser Hurikan den Ausflug auf die „Bacardi-Insel“ (also die Insel, wo die Bacardi-Werbung gedreht wurde) unmöglich: es regnete. Zwischenn zwei Schauern wagten wir uns in die „Stadt“… Kaffeetrinken … wie beschreibe ich La Romana? Oder das, was ich von La Romana sah? Lauter kleine, sehr heruntergekommene, manchmal buntgestrichene Häuser. Schmale Bürgersteige. Ein allgemeiner Eindruck von Armut und Verwahrlosung.
Wir fanden ein kleines Café, wo wir mit Dollar bezahlen konnten. Der Kaffee war kalt und dünn.
Im Supermarkt, den wir noch aufsuchten, fiel zwischendurch der Strom aus… meine Trauer darüber, dass ich La Romana nur noch zu meiner Abreise wieder sehen werde, hält sich in Grenzen.
Der Hurrikan zog an uns vorüber und so konnte die erste Karibik Route beginnen: Jamaica (Montego Bay), Cozumel, Belize, Santo Domingo, Antigua, St. Maarten.
Auf Jamaica verbrachten wir einen Tag, wie ich mir einen karibischen Tag vorgestellt habe: mit dem Taxi (!) ging es zur Doctors Beach, zwischendurch zum Mittagessen ins nahe gelegene „Margeritaville“ (wo man kein 8 jähriges Jubiläum feierte, sondern damit beschäftigt war, die Sturmschäden zu beseitigen) mit Cocktail-Trinken, dann zurück an den Strand, noch mehr Cocktails trinken und dann nach Hause.
Zu den Glanzlichtern gehört auf jeden Fall Cozumel. Von dort aus fährt man nämlich mit einer Fähre aufs Festland und dann mit einem Bus zu den Maya-Ausgrabungsstätten in Chichèn Itzà.
Die Fährfahrt gehört nach dem Tag, an dem ich beschloß mal auszoprobieren, ob Achterbahn- und Krake- und Kettenkarrusselfahren nicht doch etwas für mich wären zu den schlimmsten diesbezüglichen Erlebnissen!
Zum Glück wird mir nicht wirklich schlecht, ich werde lediglich weiß und mir bricht kalter Schweiß aus, der in wahren Strömen fließt und mein ganzer Körper schreit „Flucht!“ während mein Verstand tapfer dagegen anzugehen versucht. Leider überschattet diese Fährfahrt auch den Ganzen Tag – am Abend nach der Rückkehr war ich so ausgehebelt, dass ich erstmal 2 Stunden tief und fest schlief, um mich kurz für eine halbe Stunde in die Senkrechte und dann ganz schnell wieder ins Bett zu begeben.
Aber die Ausgrabungsstätte! Die 3 stündige Fahrt ist recht eintönig, da man nochnichteinmal Landschaft sondern beständig Grün sieht. Halbhohes, undurchdringlich wirkendes Grün. Manchmal sind Straßen in das Grün geschlagen, die nirgendwo hinzuführen scheinen, als auf die andere Seite des Grüns. Chichèn Itzà ist sehr interessant, wie die gesamte Mayakultur. Dennoch bleibt ein Eindruck „außen vor“… zu wenig vom Leben der Maya ist spürbar, anders als zum Beispiel in Pompeji, wo man alleine durch die Struktur der Stadt ein Gefühl für das Leben damals bekommen kann. Die Bauwerke darf man alle nur betrachten, Das Besteigen der Pyramiden sowie des Observatoriums sind nicht möglich. In der Vergangenheit hat es zu viele Unfälle gegeben, außerdem verewigten sich wohl zu viele Touristen mit ihren Kürzeln an den Wänden … die Mexikaner scheinen aber ein extrem freundlicher Menschenschlag zu sein und ich bedaure sehr, daß ich keine Gelegenheit habe, diesen Eindruck zu vertiefen!
Belize ist neben der Dominikanischen Republik der absolute Tiefpunkt. Nicht umsonst ist in Belize das Hafengebiet touristisch aufgemöbelt, außerhalb dieser Meile möchte man sich nicht bewegen.
Es ist nicht so sehr die Armut, die einem hier entgegenspringt, sondern eher die Tatsache, daß es so wenig abseits der touristischen Pfade zu entdecken gibt, so dass einem fast nichts bleibt, als mit einem Taxi an den Strand zu fahren.
Mir ist allerdings auch klar, dass ich mir mit diesen „mal einen halben Tag“-Ausschnitten gar kein richtiges Urteil erlauben kann…
Antigua und St. Maarten machen ein wenig wieder wett. Beide Inseln scheinen reicher (also im karibischen Sinne "reicher", was nicht europäischen Maßstäben entspricht), die Menschen sind freundlich, die Strände bilderbuchtraumhaft.. aber nach den ersten auf Steeldrums gespielten Weihnachtsliedern freue ich mich auf Deutschland und die Vorweihnachtszeit.