ClaudiasBlog

aus dem Leben einer Schauspielerin

Nachtdreh

Abgelegt unter: Allgemein, Film, TV & Co — Claudia Reimer @ 22. Juni 2009

Normaler Weise gehe ich spät ins Bett. 2:00 ist normal für mich, wenn es später wird, ist das auch nicht schlimm. Ich hätte nie gedacht, daß in dem Moment, in dem ich auf der Dispo "Maskenzeit 19:45" lese müde werde und mir denke, daß 19:00 eigentlich eine tolle Zeit zum Schlafengehen ist.

Glücklicher Weise ist der Drehort 5 Minuten von meiner Wohnung entfernt. So sause ich um 19:30 mit meinem Fahrrad in Richtung Set.
Es beginnt gemütlich für uns. Wir sind nur drei Hauptdarstellerinnen, die in die Maske müssen, die Komparsen bleiben ungeschminkt, die Maskenbildnerin ist ein Schatz wir haben Zeit und sehen nach einiger Zeit total schön und ganz natürlich aus.
Dann beginnt die Warterei.
Glücklicher Weise ist es dort wo wir sitzen warm, für Getränke ist gesorgt und eine große Dose "Haribo" sorgt dafür, daß wir keinen Unterzucker bekommen. Gegen 23:00, geht es los.
Unsere Mägen knurren trotz Lakritz und Gummitierchen, aber ans Essen ist jetzt nicht zu denken, jetzt wird gedreht.

Wir kleben eingekeilt zwischen Scheinwerfern und Kamera an unserem Drehort fest, während 3 Stunden später "flying diner" angekündigt wird. Da wir verspätet angefangen haben, wird die Mittagspause ausgelassen und jeder, der Zeit hat, nimmt sich etwas zu essen. Wir haben keine Zeit und sehen immer wieder Leute mit Salat-oder Nudeltellern an uns vorüberziehen, hoffend, daß das Knurren unserer Mägen dem Tonmann nicht auffällt. 

Um 03:10 können wir uns das erste Mal wegbewegen. Meine Zunge klebt am Gaumen, obwohl ich keinen Text habe, mein Magen hat aufgegeben zu Knurren, er hat sich aufs Schmerzen verlegt.
Tatsächlich bekommen wir noch ein paar Nudeln warmgemacht und zusammen mit der plötzlichen Entspannung sorgt die Nahrungsaufnahme für einen totalen Müdigkeitsanfall. Um 06:00 müssen wir das Set verlassen, ich schaue auf eine Uhr und tröste Kollegin2 und mich damit, daß nur noch 2 Stunden durchzuhalten seien. Sie sieht mich an und sagt: "So lang, wie ein langer Kinofilm."
"Reality Check" sagt man auf englisch dazu.

Die folgenden 2 Stunden sind ein echter Kampf. Wieder vor der Kamera, können wir ein Gähnen in den Pausen nicht mehr unterdrücken, ich werde so abgelenkt von einem Komparsen, der gedankenverloren mit einem Schokoriegel knistert, daß ich nicht höre, wie ich Regieanweisungen erhalte, mein Körper hat auf Autopilot geschaltet, während ich ein und dieselbe Handlung gefühlte 300 Mal ausführe:
"Mach schön langsam, wir sind sehr nah!"
"Nee, das war zu langsam."
"Kannst Du etwas mehr zögern?"
"Das war zu stockend, etwas fließender bitte!"
In Wirklichkeit vergehen kaum 5 Minuten in denen ich mich auf die Stimme des Regisseurs zu konzentrieren versuche. Wie gut, daß nur mein Arm zu sehen ist, der kann nicht so müde aussehen, wie ich mich fühle, oder doch?

Schließlich ist es 06:00. aber wir müssen noch eine Stunde länger ausharren. Um 07:15 schwinge ich mich auf mein Rad, froh darüber nur einen kurzen Heimweg zu haben und auf Fahrradwegen fahren zu können. Verkehrstauglich bin ich in Wirklichkeit nämlich nicht.
Zum Glück besitze ich eine Schlafbrille, die mir gute Einschlafhilfe leistet, denn draußen ist schon hellichter Tag. Und während ich ins Traumland gleite frage ich mich, wann ich das letzte Mal eine Nacht durchgemacht habe und warum das nie so anstrengend ist, wenn man nicht dafür bezahlt wird?

Warum Synchronisation?

Abgelegt unter: Film, TV & Co — Claudia Reimer @ 19. Mai 2007

Wie häufig höre ich von Kollegen, sie würden sich keine deutschen Filme ansehen, die seien alle schlecht.

Das finde ich ausgesprochen seltsam: die meisten amerikanischen, englischen oder französischen Filme sind grauenvoll synchronisiert und somit nicht viel besser, als jeder mitteldurchschnittliche deutsche Film.

Ich habe sehr wenig Interesse an synchronisierten Filmen. Das liegt zum großen Teil daran, daß die Synchronfassungen in den letzten Jahren dramatisch schlechter geworden sind: es steht immer weniger Geld und somit Produktionszeit zur Verfügung, so setzt man (auch) auf immer die selben, routinierten Stimmen.
Mich stört es, wenn ich eine Folge von "Raumschiff Voyager" sehe und in der nachfolgenden Serie eine ganz andere Schauspielerin dieselbe Stimme hat, wie Captain Kathryn Janeway…
Mich stört auch, daß jede 2. ausländische Schauspielerin im Deutschen mit der Stimme von Daniela Hoffmann oder Franziska Pigulla daher kommt und am meisten nervt mich, daß z.B. "American Beauty" in der deutschen Synchronfassung ein völlig anderer Film zu sein scheint.
Das liegt nicht zuletzt auch an der Eindimensionalität, mit der Annette Benning synchronisiert wurde. Etwas, daß man wahrscheinlich am allerwenigsten der Synchronsprecherin anlasten kann.
Aus diesen Gründen habe ich recht wenig Interesse an einer Arbeit im Synchronbereich und das Desinteresse ist gegenseitig.

Vor zwei Jahren lieh mir ein englischer Kollege die DVDs zu einer BBC - Serie: Cutting it. Die Serie spielt in Manchester, es gibt keine Untertitel, 10 Minuten zweifelte ich daran, ob ich wirklich englisch sprechen und verstehen könne und weitere 10 Minuten später war ich süchtig.
Warum macht man so eine Serie nicht in Deutschland? fragte ich mich.
Ich versuchte mir eine Umsetzung ins deutsche vorzustellen und scheiterte: normal-alte Heteros, die einen Friseurladen betreiben und in Konkurrenz zu einem anderen Friseurladen gehen? Das klang doch zu sehr nach "Lindenstraße" für Arme. Warum war ich bereit, etwas als ganz normal zu akzeptieren, nur weil es in England stattfand?
Den meisten Deutschen ging es wie mir: die deutsche Variante von "Cutting it" als "Bis in die Spitzen" von SAT-1 verfilmt, war nicht erfolgreich genug, um sie fortzusetzen.

Und das, obwohl man sich darum bemühte, alles so genau wie möglich nachzumachen! Die Story war gleich, die Dialoge fast wörtlich übersetzt… da hätte man mit etwas weniger Aufwand wahrscheinlich besser das englische Orginal synchronisiert und ins Fernsehen gebracht ;-)

Detailtreue

Abgelegt unter: Film, TV & Co — Claudia Reimer @ 05. Mai 2007

Ich gehöre nicht zu denen, die in jedem Film Anschlußfehler bemerken, sofort erkennen, wenn ein Requisit nicht stimmt oder ein Mikrophon im Bild entdecken, aber gestern durfte ich etwas sehr interessantes sehen:

in einem Film begeht eine Frau einen Selbstmordversuch, indem sie ca. 10 Tabletten aus einem Tablettengläschen in die Hand schüttet.

Es mag ja sein, daß es Tabletten gibt, bei denen 10 Stück ausreichen, um sich umzubringen. Allerdings konnte man genau erkennen, daß es sich um ein Tablettengläschen einer bekannten Firma für homöopathische Mittel handelte.
Da frage ich mich: Selbstmord mittels Ferrum Phosphoricum? Wie soll das gehen???
Vielleicht war es ja auch kein Selbstmordversuch, sondern die Frau war nach 10 Milchzuckertabletten Ferrum Phos. (= Eisen) so schwer, daß sie sich nicht mehr vom Badezimmerboden erheben konnte? Oder sie hat eine Laktoseunverträglichkeit und der Milchzucker hat ihr einen Schock verpasst???

Jedenfalls hat diese Szene den Film überhaupt nicht verständlicher gemacht. Besser auch nicht. Nur sehr viel lustiger!

Im Billiglohnland – Teil II

Abgelegt unter: Film, TV & Co — Claudia Reimer @ 28. Februar 2007

Meine Erfahrung vor Gericht war ein knappes Jahr alt, als mich die Firma „Mediabolo“ anrief und fragte, ob ich in einem Fall bei „Lenßen und Partner“ mitspielen würde?
Ich fand mein Erlebnis in Köln eigentlich ganz witzig, wenn man es als bezahlten Aufenthalt in einer anderen Stadt betrachtete. Außerdem habe ich eine Freundin in München, die ich nur sehr selten zu Gesicht bekomme.
Ich sagte also zu.

Ich sollte die total aufgelöste Mutter einer volljährigen Tochter spielen. Die Tochter ist verschwunden und keiner weiß, wo sie ist. Es stellt sich heraus, daß sie von ihrem Freund zur Prostitution gezwungen wird doch „Lenßen und Partner“ können den Übeltäter stellen und die Tochter befreien.

An einem Samstag, kurz vor Weihnachten flog ich also in aller Herrgottsfrühe nach München und wurde vom Fahrer direkt zum Set gebracht.
Das war „damals“ noch die alte Kanzlei in relativer Nähe zur Innenstadt. Während also noch die anderen Fälle gedreht wurden, saß ich im Aufenthaltsraum, bis man mir sagte, ich könne meine Zeit bis zum Dreh ruhig damit zubringen, mir München anzusehen.

Ich lief also los und rief besagte Freundin an. Witziger Weise liefen wir auf der großen Straße schon aufeinander zu! Und wir gingen Kaffee trinken.

Rechtzeitig zu meinem Dreh, kehrte ich in die Kanzlei zurück. Unser Dreh war der letzte vor der Winterpause. Während ich mich auf dem Weg zum Flughafen befinden sollte, wollte das gesammte Team (außer dem armen Fahrer, der mich zum Flughafen bringen würde) Essen gehen. Wen wundert es da, daß man schon auf Ferien geeicht war?

Als ich feststellte, daß der Saum meines Rockes hing und ich die Kostümtussi um Nadel und Faden bat (als gelernte Schneiderin bin ich durchaus in der Lage, einen Saum selber anzuhängen), bekam ich zur Antwort, die Sachen seien schon eingepackt. Der Saum wurde dann mittels Gafferband festgeklebt (heißer Tip für Notfälle und bestimmt auch auf diese Seite zu finden).

Im Vorfeld bat ich die Maskenbildnerin, ob ich, was immer sie zum Tränen-Erzeugen nähme, auf die Finger bekommen und selber einsetzen könne?
Sie antwortete, das würde sie selber machen. Ich wies sie darauf hin, daß ich nicht in beiden Szenen von Anfang an weinen müßte, auch wenn für beide Szenen ein Tränenstift im Drehbuch stand.
Ja, ich weiß, Leute haben es nicht gerne, wenn man ihnen ihren Beruf erklärt, zu meinem eigenen Besten hätte ich aber darauf bestehen sollen!
Die Maskenmaus war verzickt und ließ sich erst bei dem Satz: „Wie machen drehfertig.“ dazu herab, mich überhaupt zu schminken, um mir dann ohne Vorwarnung Tigerbalsam unter die Augen zu schmieren.

Glücklicher Weise, dauerte es einen etwas längeren Moment, bis wir mit dem Dreh beginnen konnten, so daß meine Augen Zeit hatten sich von „Ich krieg die Augen gar nicht mehr auf!“ auf: „Ich kann die Augen öffnen.“ zu erholen.
Die Tränen, die ich dann vergoß waren absolut echt, wenn auch Tigerbalsam-motiviert. Das hierbei entstandene Material konnte ich auch ganz gut verwenden auch wenn ich in der 2. Szene die Augen etwas unnatürlich aufreiße.

Fazit:

1.) Die nächste Maskenbildnerin, die mir Tigerbalsam unter die Augen schmiert, wird einen qualvollen Tod sterben.

Im Billiglohnland

Abgelegt unter: Film, TV & Co — Claudia Reimer @ 28. Februar 2007

Vor ungefähr 5 Jahren bemerkte ich, daß es immer schwieriger wird, ohne Demoband einen Drehtag zu bekommen. Somit befand ich mich in einer ähnlichen Situation, wie der Hauptmann von Köpenick: ohne Wohnung keine Arbeit, ohne Arbeit keine Wohnung.

Leider reicht es als Schauspieler nicht, sich einfach eine Uniform anzuziehen, um die wichtigen Stellen zu überzeugen.

Da kam mir die Anzeige der Firma „Mediabolo“ gerade recht: man suchte Darsteller für Gerichtsshows und ähnliche Vorabendserien. Ich ging zum „Casting“
Dort mußte ich den Satz „Du hast mich mit meiner besten Freundin betrogen, Du Schwein!“ mit größt-möglicher Emotionalität darbieten. Das gelang mir wohl ganz gut, denn ich kam in die 2. Runde.
In der 2. Runde ging es darum, eine schlecht geschriebene Szene mit einem Bruch (für alle, die an so was wie „Brüche“ glauben) zu spielen, dann durfte ich nach Hause gehen.

Es folgten mehrere Anrufe: jedesmal wurde mir in aller Ausführlichkeit die doch sehr wirren Geschichten erzählt, dann wurde ich gefragt, ob ich so eine Geschichte spielen wolle und nachdem ich zugesagt hatte wurde ich von der Casting-Firma vorgeschlagen.

Nach 3 Telephonaten klappte es: ich sollte die an Multiple Sklerose erkrankte 3 fache Mutter und Sozialhilfe – Empfängerin, spielen, die in Sorge um ihren Sohn zum „Strafgericht“ fährt, um dort ihren Sohn, den Vater ihrer Kinder und die andere Freundin ihres Mannes, die angeklagt war, den Mann heimtückisch niedergeschlagen zu haben vorzufinden (es stellte sich heraus, daß der Sohn dem Vater nachspioniert, sein Doppelleben entdeckt und ihn vor Wut niedergeschlagen hatte).
Der Vorteil an der Rolle war, das die gute Frau sozusagen dauerparalysiert war und mir somit peinliche falsche Wutausbrüche erspart blieben.

Der Dreh war abenteuerlich:

meinen Lebensgefährten gab ein Versicherungsvertreter ( „Ich spiel in meinem Beruf ja auch dauernd. Da dachte ich, hier kann ich auch ganz gut mitmachen.“ Je näher der Dreh rückte, um so nervöser und unsicherer wurde er, um schließlich das Fazit zu ziehen, daß das doch irgendwie ganz anders ist, als das was er so täglich macht.)
Außer den oben erwähnten Personen, spielte noch die Mutter der Angeklagten mit. Sie wurde von einer älteren Frau gegeben, die ihren nicht unerheblichen Text 3 Tage vor dem Dreh bekommen hatte.
Für einen Profi eine zu bewältigende Aufgabe, für Großmutter war’s ein wenig viel.
Ganz aufgeregt kam sie vom Klo zurück und meinte: “Ich habe eben den Richter aus dem Fernsehen gesehen!“

quel surprise!

Es gab mehrere „Briefings“ Großmutters Text, war und blieb recht wacklig.

Am Set wurden wir eingerichtet und dann kam die Stimme Gottes.

Der Regisseur saß irgendwo, stellte sich auch nicht vor und sagte nur über Lautsprecher an, daß wir auf Teufel komm raus durchspielen und zur Not auch improvisieren sollten, Richter und Anwälte würden uns schon wieder auf den richtigen Weg bringen, wenn es zu sehr abschweifte…Es ging also los.
Großmutter trat lange vor mir und meinem Sohn (einem sehr Schauspielbegabten Germanistikstudenten) auf und hing sofort.
Es mußte mehrfach unterbrochen werden, da Großmutter auch nicht recht zu improvisieren wußte (woher auch!?).
Wir waren der 5. und letzte Dreh des Tages, das Ganze hing schon 2 Stunden. Team und Gottes Stimme waren ungehalten.
Schließlich gab Gottes Stimme Großmutter jeden Satz einzeln vor, die Kameras drehten und Großmutter sprach den Satz so halbwegs korrekt nach. Die Stimmung wurde eisig.
Ganz aufgeregt kam die Redakteurin zu uns und meinte: „Ihr reißt das jetzt gleich raus, ja?“

Ach, ich liebe Leute, die wissen, wie stressfreies Arbeiten funktioniert!

Tatsächlich mußte unser Teil „nur“ 3x wiederholt werden!
Die Stimme Gottes befahl uns, die Mikrophone abzugeben, dann durften wir unser Geld abholen (60,-€) und in unser sehr gutes Hotel (zahlt die Produktionsfirma) gehen.

Fazit:

1.) die nächste Kostümbildnerin, die mir einen schlammfarbenen Rollkragenpullover anziehen will, wird einen qualvollen Tod sterben: mein an sich nicht unförmiger Körper, bekommt die Form eines Fasses und dank meines schmalen Gesichts sehe ich aus wie etwas, das Gary Larsson gezeichnet hat.

2.) mit 5 Kameras zu spielen ist nicht einfach: "Ja nicht in die Kamera schauen!" wird eine echte Herausforderung.

3.) trotz allem habe ich tatsächlich ein paar brauchbare Szenen für mein Demo-Band.

So was!

Abgelegt unter: Film, TV & Co — Claudia Reimer @ 13. Januar 2007

Am Dienstag hatte ich noch ein ganz schnelles Casting bei meiner Lieblings-Casting-Agentur für eine kleine Halbtagesrolle.

Es war - wie immer !- total nett, die Rolle wäre schick was für's Demoband gewesen und man hätte mit einem entzückenden Hauptdarsteller spielen dürfen.

Ärgerlich nur, daß parallel von einer anderen "großen" Casterin gecastet wurde und diese jetzt die Rolle besetzt.Frown

Dank an eine unbekannte Kollegin

Abgelegt unter: Film, TV & Co — Claudia Reimer @ 23. November 2006

Am Montag rief mich meine Agentur an, ob ich am selben Abend zu einem Casting kommen könne? Der Dreh sei allerdings auch schon am 22. ?  Die Kollegin, die für die Rolle vorgesehen war, sei abgesprungen…

Da sage ich doch ein "Herzliches Dankeschön" an jene unbekannte Kollegin! Denn mir hat der heutige Drehtag außerordentlich viel Spaß gemacht! Ja, ich hatte keinen Text, aber die Rolle ist so exponiert, daß der Cutter diesmal arge Probleme bekommt, wenn er mich rausschneiden wollte! Und bezahlt wird auch sehr gut. Geht doch! Cool

Und es war ein Super-Team (wirklich, wirklich unglaublich nett! An dieser Stelle auch ein Dank an Micha, der genau wusste, wann er mit einem Becherchen Wasser rumgehen musste!) in dem ich auch noch eine Freundin wiedertraf, die ich seit 8 Jahren aus den Augen verloren hatte.

Toll!

Antikörper - aus 3 mach eins

Abgelegt unter: Film, TV & Co — Claudia Reimer @ 14. November 2006

Gestern habe ich den Film "Antikörper" auf DVD gesehen. Ich war schon sehr lange sehr gespannt darauf. Denn ich habe prinzipiell keine Probleme mit deutschen Produktionen. Und es klang einfach interessant.

Tja, und dann das. (Achtung! Wer den Film noch sehen will sollte nicht weiterlesen!)

Mindestens 3 gute Ideen, einen wirklich, wirklich spannenden Film zu machen! Leider ergeben alle drei zusammen ein völlig unentschlossenes Gemenge.

Statt einer subtilen Ist-mein-Sohn-ein-Psychopath-Geschichte, wird man mit dem Holzhammer drauf gestoßen: Der bettnässende Sohn begegnet uns gleich am Anfang, völlig unmotiviert brennt plötzlich das Puppenhaus seiner kleinen Schwester (mitten in der Nacht! Nee ist klar! Mitten in der Nacht denkt sich der angehende Berufspsychopath: "Warum kokel ich nicht mal am Puppenhaus meiner kleinen Schwester, die praktischer Weise in einem anderen Zimmer lebt, wo ich das Feuer dann auch gar nicht sehen kann!" Wie gut daß Papi einen Feuerlöscher zur Hand hat!) und dann liegt da irgendwann ein verendendes Tier.

Nur, falls der geneigte Zuschauer es noch nicht kapiert haben sollte, wird uns in der nächstmöglichen Szene erklärt, daß die 3 klassischen Merkmale eines Psychopaten Bettnässen, Pyromanie und Tierquälerei seien. Danke!

Glücklicher Weise merkt Papi erst sehr spät, welches Monster er da heran gezogen haben könnte. Und da es ein korrekter deutscher Film ist, der sich am korrekten amerikanischen Prinzip orientiert, bringt Paps seinen Sohn nicht um. Gott sei Dank, denn dann stellt sich heraus, daß sein Sohn auch gar nicht so schlimm ist, sondern der "wirkliche" Psychopath alles ganz geschickt eingefädelt hat.

OK, also leider keine Geschichte darüber, was Eltern machen, wenn sie den Verdacht haben, daß irgendetwas mit ihrem Kind nicht stimmt. Dafür gibt es ja noch 2 weitere Ideen.

Die Dorfbulle-zeigts-den-Großstadtpolizisten-Geschichte. Papi ist nämlich Dorfbulle (was hätte man nicht Tolles aus der Vater-Polizist-Sohn-Psychopath Idee machen können!) und der fährt in die Großstadt, wo ein Psychopath gefangen genommen wurde, der soundsoviel Morde begangen hat, um einen ungeklärten Mord in seinem Dorf aufzuklären.

Wunder über Wunder! Der Psychopath redet mit ihm. Und nur mit ihm (was man insofern verstehen kann, als daß der Großstadtpolizist von Heinz Hoenig gespielt wird und wer will schon mit Heinz Hoenig reden?). Das ganze wird aufgezogen à la "Schweigen der Lämmer": Ich erzähl Dir was, wenn Du mir peinliche Geschichten aus Deinem Leben erzählst. Das hat man schon so häufig gesehen und so viel besser, daß dieser Teil einfach nur lahm ist. Außerdem sind die Fragen, die der Psychopath stellt langweilig: "Woran denkst Du, wenn Du Deine Frau f…?" (unnötig zu erwähnen, daß der Psychopath nur Fäkalsprache spricht).

Und dann ist da noch die beste Idee von allen: infiziert uns das Böse? In diesem Falle heißt das: schafft der Psychopath es, den Polizisten (der dazu noch ein gläubiger Christ ist) so zu manipulieren, daß dieser etwas ungesetzliches tut? Paps kauft sich also in der Stadt einen schlechtsitzenden sündhaftteuren Anzug bei einer Verkäuferin (in einem roten, engen Kostüm! Nein, wie einfallsreich!!! Naja, ich glaube ich hatte schon erwähnt, daß dieser Film nicht mit subtilen Mitteln arbeitet), die eine ziemlich schlampige Ausstrahlung hat und schläft auch mit ihr. Die sich daraus ergebenden Konflikte sind durchaus plausibel und trotzdem fehlt mir einfach das zündende Element.

Ich bin absolut gegen Fremdgehen und bestimmte Varianten beim Sex sind Geschmackssache, meines Wissens aber ist in Deutschland keine Variante strafbar. Da soll ich nun als Protestantin die Seelenqualen einer unsympathischen Hauptfigur katholischen Glaubens nachvollziehen, die seine Frau "unrein" begattet hat??? Deswegen muß man sich Heftklammern in den Arm tackern?

Und tatsächlich ist es so, daß uns keine einzige Person in diesem Film sympathisch erscheint, da können sich die lieben Kollegen noch so viel Mühe geben. Der Psychopath ist per se unsympathisch. Der Großstadtbulle sowieso. Der Dorfpolizist ist uns keine Sekunde sympathisch: er hat ne Fistelstimme und in den Rückblenden einen häßlichen Schnauzbart (damit man merkt, daß es eine Rückblende ist! Ahhha!)und kein Verständnis für seinen Sohn, den er auch mal schlägt. Einzig die Frau des Dorfbullen ist noch erträglich, wird uns aber durch ihren fiesen Vater madig gemacht. Alle anderen sieht man nur kurz, was auch gut ist, denn die mag man auch nicht (bestechliche Polizisten und ähnlich nette Gestalten).

Naja, wahrscheinlich war ich zu diesem Zeitpunkt einfach schon so genervt von dem Film, daß nichts mich mehr hätte davon überzeugen können, daß er gut ist. Ich hatte ja noch die stille Hoffnung, daß der Drehbuchautor eigentlich eine ganz tolle Variante geschrieben hat, von wahnsinnigen Produzenten aber gezwungen wurde, diesen Quatsch zu schreiben. Das "making of" erklärte allerdings, der Regisseur habe das Drehbuch selber geschrieben. Auch diese Hoffnung also für die Katz!

Und noch ein abschließendes Wort zu Heinz H.:

Ich gestehe, ich fand ihn mal ganz toll (damals, so zu "Bellheim"-Zeiten). Dann sah ich ihn in einer Talk-Show, zusammen mit Heiner L. Beide offensichtlich betrunken. Es gibt nur eine Sache, die peinlicher ist, als ein mittelalter, betrunkener Mensch: ein mittelalter, betrunkener Mensch, der beweisen muß, daß er ganz, ganz toll ist! Hein H. fühlte sich bemüßigt zu beweisen, daß er nicht alt sei und machte 10 Liegestütze. Seitdem kann ich ihn als Schauspieler nicht mehr ertragen. Jedesmal wenn ich ihn sehe, denke ich: "Der ist bestimmt wieder blau!" und hoffe, daß er in der nächsten Szene nicht versucht, Liegestütze zu machen.

Also: Finger weg von Alkohol und Drogen, wenn wir wissen, daß wir ein Interview geben oder in einer Talkshow sitzen werden!

Ein unmoralisches Angebot

Abgelegt unter: Film, TV & Co — Claudia Reimer @ 06. November 2006

In unserem Beruf wird man ja immer Mal wieder mit dem einen oder anderen unmoralischen Angebot konfrontiert… Eines davon möchte ich hier schildern.

Heute bekam ich einen Anruf von einer jungen Frau, die für Sat 1 arbeitet: Sat 1 plant ein neues Comedy-Format. Dafür sucht man Leute, die Lust haben, 3 Wochen lang jeden Tag irgendwelche lustigen oder abstrusen Dinge zu unternehmen und sich dabei filmen zu lassen.

Die lustigen Sachen denkt sich die Redaktion aus und sorgt auch dafür, daß man sie umsetzen kann. Wenn man dort also zum Beispiel meint, man müsse lustige Interviews mit den Damen in der Herbertstraße führen, sorgt die Redaktion dafür, daß man ne Drehgenehmigung bekommt (wahrscheinlich sorgt sie nicht dafür, daß man nicht gleich am Eingang mit Wasser begossen wird, denn das wiederum ist ja tiiieerisch lustig!).

Die Idee kommt natürlich bei allen Beteiligten super an!

So super, daß für Hamburg gleich lauter Leute abgesprungen sind…

Das könnte natürlich auch an der überdurchschnittlischen Bezahlung liegen: dafür, daß man sich 3 Wochen zum Deppen machen lässt, bekommt man 400,- €. Nicht pro Tag, nicht pro Woche sondern für die gesammte Zeit.

Auf meinen Hinweis, daß alleine meine Miete schon 435,-€ betrüge, meinte die junge Frau: "Die meisten Leute kellnern nebenher."

Aufgepasst, liebe Leute: man bietet uns so wenig Geld an, weil wir ja eh nebenher arbeiten!

Na, dann erzähl ich doch einfach niemandem mehr, daß ich nebenher arbeiten muß, um von meinem Beruf zu leben. Dann wird sich das auch schnell wieder ändern und ich in Zukunft Riesengagen kassieren! Das Leben kann so einfach sein.

Castingshows

Abgelegt unter: Film, TV & Co — Claudia Reimer @ 03. November 2006

Gott sei Dank es ist soweit!

Haben Sie's auch bemerkt? Man ertappt sich dabei, wie man aufmerksam Vierbeiner mustert. Man kann sich gar nicht wehren, es untersteht nicht unserem Willen, denn es ist ein landesweites Phänomen! Deutschland sucht! Und was haben wir nicht alles schon gesucht? Aber diesmal ist es eine sinnvolle Suche. Identität, pah! Alte Kamellen!

Nachdem wir nun schon Papst sind, tun wir das einzig Richtige: wir suchen jetzt den Superhund! Und freuen uns auf eine Zukunft in der nicht Daniel Kübelböck unsere Sorgen wegsingt, sondern wir von einem schlauen Rauhhaardackel aus einer Gletscherspalte gerettet werden (man soll die Hoffnung auf Gletscherspalten in der Großstadt nicht aufgeben!).Unsere neuen Helden heißen Waldi und Hasso!

Vielleicht geht diese Show endlich mal konsquent weiter!?

Wenn schon Super-Dog, warum ihm dann nicht auch ein paar wichtige Ämter übertragen? Hamburg sucht gerade einen neuen Finanzsenator. Für einen echten Super-Dog ist dieser Posten doch ein Klacks!

Was werden wir in Zukunft noch alles suchen?Die Super-Nanny haben wir ja schon. Also vielleicht mal: die Super-Eltern? Den Super-Politiker? Den Super-Beamten? Oder den Super-Castingshow-Ideen-Lieferanten? Die Suche nach dem Super-Tankwart wird toll: der wird dann Mr. Super-Super!

Die Vermutung liegt allerdings nahe, daß unser Suchen nie ein Ende finden wird. Denn Deutschland sucht ja nun auch schon seit einiger Zeit immer mal wieder erfolglos den Superstar. Man denkt: wir haben ihn! Und dann ist es doch blos ein weiteres one-hit-wonder…

Trotzdem bin ich ganz positiv gestimmt: die Zukunft wird Super!

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