Womit man so sein Geld verdient - Hörbücher
Seit fast 7 Jahren lese ich Hörbücher für Blinde.
Ich finde an diesem Satz an sich nichts Mißverständliches, allerdings löst er bei vielen Menschen anscheinend das Bild einer im Schaukelstuhl sitzenden Vorleserin aus. Zumindest reagieren einige Leute erstaunt, wenn sie hören, daß ich in einem echten Tonstudio sitze, wo alles was ich lese digital aufgezeichnet wird.
Mein liebste Frage bei Erwähnung dieser Tätigkeit war allerdings bisher:
"Ach, kannst Du denn die Zeichensprache?"
"Welche Zeichensprache ???"
"Die, mit der die sich unterhalten."
"Blinde? Unterhalten sich mittels Zeischensprache? Und erkennen das Wort am Luftzug, oder wie?"
Nun gut. Seit fast 7 Jahren also lese ich dort. Und ich habe immer mehr und mehr Freude an diesem "Job". Ursprünglich war ich nämlich gar nicht so begeistert davon. Ich lese zwar gerne und viel, aber ich mag weder Hörbücher noch "Am Morgen vorgelesen" oder ähnliche Sendungen. Wird mir vorgelesen, kann ich keine eigenen Bilder entstehen lassen, meine Gedanken schweifen ab, ich verpasse wichtige Details und kann nicht noch mal zurück springen, werde zappelig…nee, das ist nix für mich!
Aber selber vorlesen ist toll! Mittlerweile habe ich auch das "ideale Vorlesetempo" schon so gut verinnerlicht, daß ich mich nicht ständig kontrollieren muß. Und ich kann jetzt auch "prima vista" lesen.
Das Allertollste an dieser Arbeit ist: ich lerne Bücher kennen, die ich mir privat nie gekauft hätte und habe ein paar wirkliche Schätze entdeckt. Als Stellvertreter seien hier erwähnt: "Rachel im Wunderland" von Mariann Keyes, "Der brennende Obstgarten" von Shena McKay, "Der Schwimmer" von Zsuzsa Bank und "Zusammenstöße von Yael Hedaya.
Natürlich ist nicht alles, was ich dort lese hohe Literatur. Aber ich finde es auch toll, eine Entschuldigung für die leichte Kost zu haben ("Ja, das ist ganz schön trivial, aber ich muß das lesen!"). So habe ich immerhin dank "Ayla und die Mammutjäger" einen intensiven, 900 engbedruckte Seiten langen Einblick in unsere Vorzeit erhalten! Und leider war es mir nicht vergönnt, zu erfahren, was nun eigentlich aus Chloe und Cheftu wird? Denn den 4.Band der "Prophetin von Luxor" schnappte mir leider eine Kollegin vor der Nase weg 
Gerade habe ich "Georgia" von Doris Gercke beendet. Ein Buch, das mit einer erschreckenden und gar nicht so unwahrscheinlichen Theorie daher kommt und um so erschreckender ist, als daß es keinen wirklichen Lösungsansatz bietet.
Jetzt liegt hier "Mit jedem Schlag der Stunde" von David Baldacci und ich finde, daß ich eine sehr glückliche Frau bin! Denn gerade habe ich "The Camel Club" vom selben Autor ausgelesen. "The Hour Game" (so der Orginaltitel) lag auch schon in meinem Regal. Nun muß ich es nicht auf englisch lesen! (Die Bücher leiht mir eine Freundin, die nie abwarten kann, bis Bücher auf deutsch erscheinen. Es trainiert ungemein, aber ich brauche für diese Bücher trotzdem doppelt so lang!) Um ein wenig Abstand zwischen so viel "action" und Politik zu bekommen lese ich noch schnell für mich "Großmama packt aus" - ein schon auf den ersten Seiten sehr verheißungsvolles Buch - bevor ich mich in die Geschichte der ehemaligen Secret Service Agenten Sean King und Michelle Maxwell stürze. Jippieh!




