ClaudiasBlog

aus dem Leben einer Schauspielerin

Womit man so sein Geld verdient - Hörbücher

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 31. Januar 2007

Seit fast 7 Jahren lese ich Hörbücher für Blinde.

Ich finde an diesem Satz an sich nichts Mißverständliches, allerdings löst er bei vielen Menschen anscheinend das Bild einer im Schaukelstuhl sitzenden Vorleserin aus. Zumindest reagieren einige Leute erstaunt, wenn sie hören, daß ich in einem echten Tonstudio sitze, wo alles was ich lese digital aufgezeichnet wird.

Mein liebste Frage bei Erwähnung dieser Tätigkeit war allerdings bisher:

"Ach, kannst Du denn die Zeichensprache?"

"Welche Zeichensprache ???"

"Die, mit der die sich unterhalten."

"Blinde? Unterhalten sich mittels Zeischensprache? Und erkennen das Wort am Luftzug, oder wie?"

Nun gut. Seit fast 7 Jahren also lese ich dort. Und ich habe immer mehr und mehr Freude an diesem "Job". Ursprünglich war ich nämlich gar nicht so begeistert davon. Ich lese zwar gerne und viel, aber ich mag weder Hörbücher noch "Am Morgen vorgelesen" oder ähnliche Sendungen. Wird mir vorgelesen, kann ich keine eigenen Bilder entstehen lassen, meine Gedanken schweifen ab, ich verpasse wichtige Details und kann nicht noch mal zurück springen, werde zappelig…nee, das ist nix für mich!

Aber selber vorlesen ist toll! Mittlerweile habe ich auch das "ideale Vorlesetempo" schon so gut verinnerlicht, daß ich mich nicht ständig kontrollieren muß. Und ich kann jetzt auch "prima vista" lesen.

Das Allertollste an dieser Arbeit ist: ich lerne Bücher kennen, die ich mir privat nie gekauft hätte und habe ein paar wirkliche Schätze entdeckt. Als Stellvertreter seien hier erwähnt: "Rachel im Wunderland" von Mariann Keyes, "Der brennende Obstgarten" von Shena McKay, "Der Schwimmer" von Zsuzsa Bank und "Zusammenstöße von Yael Hedaya.

Natürlich ist nicht alles, was ich dort lese hohe Literatur. Aber ich finde es auch toll, eine Entschuldigung für die leichte Kost zu haben ("Ja, das ist ganz schön trivial, aber ich muß das lesen!"). So habe ich immerhin dank "Ayla und die Mammutjäger" einen intensiven, 900 engbedruckte Seiten langen Einblick in unsere Vorzeit erhalten! Und leider war es mir nicht vergönnt, zu erfahren, was nun eigentlich aus Chloe und Cheftu wird? Denn den 4.Band der "Prophetin von Luxor" schnappte mir leider eine Kollegin vor der Nase weg Frown

Gerade habe ich "Georgia" von Doris Gercke beendet. Ein Buch, das mit einer erschreckenden und gar nicht so unwahrscheinlichen Theorie daher kommt und um so erschreckender ist, als daß es keinen wirklichen Lösungsansatz bietet.

Jetzt liegt hier "Mit jedem Schlag der Stunde" von David Baldacci und ich finde, daß ich eine sehr glückliche Frau bin! Denn gerade habe ich "The Camel Club" vom selben Autor ausgelesen. "The Hour Game" (so der Orginaltitel) lag auch schon in meinem Regal. Nun muß ich es nicht auf englisch lesen! (Die Bücher leiht mir eine Freundin, die nie abwarten kann, bis Bücher auf deutsch erscheinen. Es trainiert ungemein, aber ich brauche für diese Bücher trotzdem doppelt so lang!) Um ein wenig Abstand zwischen so viel "action" und Politik zu bekommen lese ich noch schnell für mich "Großmama packt aus" - ein schon auf den ersten Seiten sehr verheißungsvolles Buch - bevor ich mich in die Geschichte der ehemaligen Secret Service Agenten Sean King und Michelle Maxwell stürze. Jippieh!

manche Frauen!

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 30. Januar 2007

Letzte Woche bekam ich noch rasch einen Termin für ein Werbecasting für den heutigen Tag. Ich sollte ungeschminkt und in gemütlichen Hausfrauen-Klamotten kommen. Nach 5 Stunden Schlaf und 3 Stunden im Studio eine meiner leichtesten Übungen!

Die Agentur ist nett, der Werbespot, der sehr witzig ist, ne regionale Sache.

Ich sauste also von Winterhude nach St.Pauli (Sausen ist hier relativ zu verstehen: wenn man auf den Hamburger U-Bahn-Plan sieht, kann man erkennen, daß rechts von der Alster ein Fleck ist, um den alle U- und S-Bahn-Linien einen Bogen machen: das ist Winterhude! Glücklicher Weise fahren dort wenigstens Busse!) Ich hatte für die Fahrt eine halbe Stunde geplant und brauchte 35 Minuten.

Die Agentur liegt im 3. Stock und ich jappste in den Raum. Während ich mich aus meinem Mantel pellte, fragte das Mädel am Tresen meine Daten ab:

"Größe ?" "1,75 m"

"Konfektion ?" "42 - 46"

"Naja, sagen wir 42 - 44. Schuhgröße?" "42"

"Supi danke!"

Dann interviewte Tresenelli eine Kollegin vom Typ Püppchen. Püppchen war geschminkt, trug ein schickes Twinset und fragte erstmal, ob der Wolfgang auch käme, mit dem wollte sie ja sooo gerne zusammenspielen! Tresenelli bejahte.

"Größe ?" "1,56 m"

"Konfektion ?" "34 - 36"

"Schuhgröße ?" "35. Ja, ich weiß, Zwergengröße! Das ist ja sooo schwierig passende Schuhe zu bekommen! da gehen nur Italiener!"

Ach ja? Ich wette Manolo Blahnik bekommt einen Herzinfarkt, wenn man ihn nach Schuhen in Größe 42 fragt, während Schnuckelchen in einem 1,56m Haufen echter Manolos versinkt! Ich vergrub mich hinter meinem englischen Buch und hoffte, alle Anwesenden würden denken, ich könne gar kein Deutsch und nicht merken, daß ich mich gerade besonders riesig und klobig fühlte. Einziges Trostpflästerchen: Püppi ist 8 Jahre älter!

Als ich vom Casting zurückkam, war auch der heißersehnte Wolfgang angekommen, dem sie gerade vorflötete, wie toll ihre Agentur sei, da bekäme sie ein 4 Sterne Hotel mit Sauna und Dampfbad reserviert!

Ich hätte gerne an dieser Stelle eine Runde offiziellen Bedauerns für eine arme, alte Kollegin, die gezwungen ist italienische Schuhe und französiche Designermode zu tragen und a) eine Agentur hat, die ihr b) Zimmer in Luxushotels reserviert!

Warten auf Photos - eine Etude in Geduld

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 30. Januar 2007

Vor knapp 3 Wochen habe ich neue Photos gemacht. Genauer: gemacht hat die Photos ein sehr guter Freund, der Kameramann Peter Aichholzer, ich habe nur geguckt :)

Was aus den Photos geworden ist?

3 Tage nach unserem Termin telephonierte ich mit meiner besten Freundin, die auch seine Frau ist:

"Ah, der Peter legt mir hier gerade einen Stapel Photos hin."

Rascheln

"Boah! Das ist aber schön!"

Mehr Rascheln.

"Wow! Und das sieht auch super schön aus!"

Blättern

"Hej, hier sind welche mit glatten Haaren! Das ist super!"

Diesen Bemerkungen und der Tatsache, daß sie von einer tollen Schauspielerin kommen entnehme ich, daß die Photos gut geworden sind. Gesehen habe ich sie bisher noch nicht, denn der Peter musste an den Polarkreis, um dann von dort nach Kitzbühel, von dort nach München und dann irgendwann wieder nach Berlin zu fahren (alles Arbeitstermine versteht sich!).

Mitte Februar werden wir uns in Berlin treffen und dann werden wir, bevor er nach Nairobi fliegt, die besten Photos aussuchen.

Natürlich hat er mich nicht ganz im Ungewissen gelassen: ich bekam einen kleinen Stapel "Ausschuß" unter der Bedingung, diesen Ausschuß niemandem zu zeigen. Allen Neugierigen sei nur so viel verraten: wenn das der Ausschuß ist, darf ich auf den Rest sehr gespannt sein!

SealedSmileSealed

Womit man so sein Geld verdient - Kellnern

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 28. Januar 2007

Die gute alte Gastronomie darf doch bei den Nebenjobs nicht fehlen!

Das Kellnern begann ich noch während meiner Schauspielschulzeit und endete es auch mit ihr. Das Beeindruckendste was mir aus dieser Zeit in Erinnerung geblieben ist: man ahnt ja nicht wieviele Analphabeten in Deutschland leben!

Der Gast lässt sich die Karte geben. Die Karte ist ausführlich geschrieben. Da steht zum Beispiel: "Napfkuchen: aus frischen Eiern, Mehl und Butter zubereitet; Nußkuchen: aus gemahlenen Nüssen, frischen Eiern, Butter und Mehl; Qualle auf Sand: gewürfelter Nuß- und Napfkuchen, garniert mit frischen Früchten, Rumkirschen und Sahne; Obstkuchen (nach Saison)" außerdem sind dort 10 verschiedene Sorten schwarzer Tee aufgelistet.

Der Gast studiert die Karte ausführlich. Die Kellnerin kommt an den Tisch:

Kellnerin: "Guten Tag! Haben Sie sich schon entschieden?"

Gast: "Was haben Sie denn für Kuchen?"

Kellnerin: "Nußkuchen, Napfkuchen, "Qualle auf Sand" und unser Obstkuchen ist ein Erdbeerkuchen vom Blech"

Gast: "Sind in dem Napfkuchen Nüsse?"

Kellnerin: " Nein, die Nüsse sind im Nußkuchen."

Gast: "Und was ist diese Qualle auf Sand?"

Kellnerin: "Gewürfelter Nuß- und Napfkuchen mit frischen Früchten, Rumkirschen und Sahne."

Gast: "Haben Sie auch Apfelkuchen?"

Kellnerin: "Nein, unser Obstkuchen ist ein Erdbeerkuchen vom Blech."

Gast: "Hmmm. Ich nehme den Nußkuchen."

Kellnerin: "Gerne. Was möchten Sie trinken?"

Gast: " 'n Tee."

Kellnerin: "Welchen Tee hätten Sie denn gerne?"

Gast: "Och, 'n Schwarzen."

Kellnerin: "Wir haben 10 verschiedene Sorten Schwarztee in der Karte, wenn Sie sich noch mal in Ruhe entscheiden wollen, ich bin gleich wieder bei Ihnen!"

Ich wette, diese Menschen sind es, die in der Drehtür in dem Abschnitt vor mir gehen und mit beiden Händen gegen die Scheibe mit der Aufschrift: "Bitte nicht drücken - Tür bewegt sich automatisch" drücken!

Dialoge dieser Art hatte ich jedenfalls pro Schicht ca. 3 Mal (in der Abendgastronomie war es ähnlich, nur wurden dort eben weder Kuchen noch Tee serviert), nach 2 Jahren stand ich kurz vorm Mord und entschied mich stattdessen lieber in mein erstes Engagement zu gehen.

Fazit:

1.) Ich kann 5 Teller tragen (nützlich an jedem Buffet!)

2.) Ich kann eine Flasche Wein am Tisch öffnen (nützlich um anzugeben)

3.) Ich kann ein vollbeladenes Tablett tragen (nützlich bei meinem "Martini-Martina-Dreh")

Spiritistische Tafel!?

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 23. Januar 2007

Wie von Andreas Lübbers vorgeschlagen, kam ich also am Montag zur Theatertafel ins Sprechwerk, um mit anderen die Geister des Vorstandes des Dachverbandes freier Theater in Hamburg zu beschwören. Allerdings konnte ich Glaskugel und schwarze Katze gleich wieder auf meinem Besen lassen: man hatte sich entschieden, persönlich zu erscheinen.

Viele waren gekommen, nur wenige hatten etwas zu sagen. Zunächst einmal stellte sich der Vorstand vor. Hier die wichtigsten Punkte, wie sie mir im Gedächtnis geblieben sind:

ein Büro gäbe es zur Zeit nicht, das koste zu viel Geld.

Das finde ich total OK. Ich mache meine Büroarbeit auch an meinem heimischen 1,75 langen, alten Eichenschreibtisch (manchmal auch an meinem runden, mittelalten Kiefernesstisch und manchmal auch einfach auf dem Fußboden) und sie ist nicht schlechter, nur weil mein Eichenschreibtisch (mein Kiefernesstisch, mein Fussboden) kein eigenes Zimmer hat.

Die Kulturbehörde hat gerade zugestimmt, dem Lichtfundus des Dachverbandes ein festes Heim zu finanzieren.

Da liegt es nun also, das Licht, und wartet darauf, endlich am Ende des Tunnels erscheinen zu dürfen.

Außerdem bemühe man sich um Probenräume für die freien Theater. Schließlich gibt es schon Probenräume für die freien Tanztruppen.

Warum jetzt die Theater nicht auch in den Räumen der Tanztruppen proben können, erschloß sich mir nicht, wo man sich doch seitens des Vorstandes so sehr ein Zusammenkommen aller Gruppen in der freien Szene wünsche. Vielleicht sind die Räume auch ausgelastet!?

Als vornehmlichstes Ziel nannte der Vorstand die Mitgliedergewinnung. Man bräuchte dringend Unterstützung.

Auf die Frage eines gerade neuen Mitgliedes, was es denn nun für den Verband tun könne? Antwortete man: es gäbe viel zu tun und man sei auch auf die Ideen und Bedürfnisse der Mitglieder angewiesen. Gerade hier wünsche man sich kreativen "Input"

Selbst auf beharrliches Nachfragen, wurde immer wieder darauf verwiesen, Ideen und Wünsche müssten aus den Reihen der Mitgliedern kommen. Erst nach einer Weile kam man auf den wirklich interessanten Punkt:

der Dachverband vertritt die freie Szene auch gegenüber dem Senat. Hier bekommt also eine an sich sehr unorganisierte Szene plötzlich ein mächtiges Sprachrohr. Immerhin geht es darum, Gelder zu verteilen

Ja, das ist doch mal was!

Und weil wir aufgefordert wurden Ideen einzubringen, hier mal ein paar:

Wie wäre es mit einer regelmäßigen "Antrags-Sprechstunde"? Wenn ich ein Projekt plane, mache ich einen Termin beim Dachverband, stelle denen mein Projekt vor und dort werde ich dann beraten, wie mein Antrag am besten auszusehen hat, bei welchen Stellen ich Gelder beantragen kann und evtl. sogar geholfen, die entsprechenden Anträge bei den Behörden zu stellen. Damit könnte man vielleicht erreichen, daß viel mehr Anträge aus der freien Szene gestellt (und im Idealfall genehmigt!) werden und das ganze schöne Geld auch unter die Leute kommt!

Wie wäre es mit einem Dachverband-Gütesiegel? Nach soundsoviel erfolgreich genehmigten Anträgen garantiert der Dachverband, daß in Produktionen des Dachverbandes immer Mindest-Gagen gezahlt werden.

Wie wäre es mit einem Techniker-Netzwerk? Wie häufig braucht man eine(n) gute(n) BeleuchterIn, BühnenbildnerIn, KostümbildnerIn, MaskenbildnerIn? Warum nicht auch für die einen Pool schaffen?

Wie wäre es mit einem regelmäßigen Treffen? Netzwerken, sich austauschen??

Verkehrte Welt

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 23. Januar 2007

So. Hier mal eine wirklich skurrile Geschichte zum Thema 1-Euro-Jobs, wenn auch nicht aus unserer Branche:

Eine studierte Sozialwissenschaftlerin träumt davon, in einer Organisation zu Arbeiiten, wo sie Projekte für die (sogenannte) 3. Welt entwickeln, planen und durchführen kann. Leider können die entsprechenden Organisationen sich nur Praktikanten leisten. Nach einem schlecht bezahlten Praktikum sieht sie sich nach einem neuen Job um.

Und was macht sie jetzt?

Sie bildet Langzeitarbeitslose aus, die in Hilfsorganisationen als 1-Euro-Jobber arbeiten sollen, wo sie Projekte für die (sogenannte) 3. Welt entwickeln, planen und durchführen sollen…

Heißt das, als SchauspielerIn kann man nur noch arbeiten, wenn man branchenfremden Langzeitarbeitslosen Schauspielunterricht gibt, die dann an den Theatern als 1-Euro-Jobber arbeiten, die sich uns nicht mehr leisten können???

Womit man so sein Geld verdient - Plasmaspenden

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 22. Januar 2007

Kreativ zu sein ist nichts, was sich auf den Beruf beschränkt. Kreativ-sein kann helfen, neue Jobs zu finden!

In einem der vorher erwähnten Callcenter erzählte mir eine Kollegin, sie gehe regelmäßig, ein Mal in der Woche Plasma spenden. Das könne man einmal wöchentlich machen, da Blutplasma sehr schnell wieder gebildet wird und es gäbe (neben dem Gefühl, etwas Gutes zu tun) 30,- DM.

Ein Jahr lang hing ich an der Nadel:

Neben mir stand eine Maschine, in die mein Blut floss. Dort wurde es zentrifugiert, das Plasma somit herausgefiltert und das Blut anschließend zurück in meinen Kreislauf gepumpt. Es gab 10 Durchgänge (mehr durfte man nicht machen) Ziel war es, einen Liter Plasma zusammenzubekommen. Man konnte sehen, wieviel Plasma in einem Durchgang herauszentrifugiert wurde und sich ausrechnen, wie lange es dauern würde. Sein Geld bekam man immer, egal ob man den Liter schaffte oder nicht.

Und von diesen 30,- DM bestritt ich meinen wöchentlichen Lebensunterhalt.

Nach einem Jahr waren meine Leberwerte plötzlich so schlecht, daß man mich nicht mehr spenden lassen wollte - zum Glück gab es immer diese ärtztliche Untersuchung vorweg, in der man versichern musste, nicht unter Alkohol oder Drogen zu stehen ! Man glaubt ja nicht wieviele Menschen mir da begegnetetn, die lallend versicherten, sie könnten sehr wohl Plasma spenden, sie seien keine Alkoholiker! -

Sehr zur Erleichterung meiner Freunde (die sich ehrliche Sorgen um meinen Gesundheitszustand machten) musste ich diesen Nebenjob also aufgeben. Meine Leberwerte haben sich schnell wieder normalisiert, aber ich merkte, daß es mir ohne wöchentliche Spende irgendwie besser ging.

Es dauerte gut 2 Jahre, bis ich mich dazu durchringen konnte, mal wieder etwas von mir zu geben. Jetzt spende ich alle 8 Wochen Blut.

Womit man so sein Geld verdient - Callcenter

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 19. Januar 2007

Leider ist es ja so, daß man als Schauspieler nicht nur von Luft und Liebe leben kann. Also jobbe ich. Früher war das noch ganz lustig ("Früher" bezeichnet die Zeiten, als es noch interessante Jobs gab).

Angefangen habe ich meine Job-Karriere als Callcenter-Agent. Mann, Mann! Mir war bis dato nicht klar, wieviele Idioten in Deutschland leben! Da die alle wählen dürfen, wundert mich seit dem allerdings nur noch sehr wenig!

Ein Jahr lang jobbte ich mich durch alle möglichen Arten von Callcentern. So nahm ich z.B. unter anderem Bestellungen für die "Megahits der 80er und 90er" entgegen:

"Wie möchten Sie bezahlen? Per Kreditkarte oder per Nachname?"

"Ich zahle, wenn der Postbote kommt."

"Also per Nachname."

"Nee, ich zahl erst, wenn der Postbote mir das Päckchen übergibt."

Absolutes Highlight meiner dortigen Arbeit war das Telephonat mit Roland R. Herr R. hatte angerufen um die besagten Megahits zu bestellen. Zur Bestellannahme gehörte das Abfragen der Telephonnummer. Wenn die Telephonnummer in das System eingegeben wurde, ploppte automatisch die gesamte Adresse auf (das war auch damals schon nicht im Sinne des Datenschutzes).

"Gut, Herr R. Ich brauche dann bitte Ihre Telephonnummer mit Vorwahl."

"Nu, Fräulein, da verlang' Se aber was!"

"Ja, Ihre Telephonnummer mit Vorwahl."

"Nu, die weiß ich nicht. Ich ruf mich doch nicht selber an!"

übrigens ein Witz, den ich schon nach einer Woche nicht mehr hören konnte! Ca. 70% der Anrufer haben tatsächlich Probleme, ihre Telephonnummer zu behalten. Kein Wunder, daß man Schauspieler, die sich Naturgemäß viele Buchstaben merken können so bewundert!

"Wo wohnen Sie denn?"

Das System funktionierte auch, wenn man den Ort oder die Postleitzahl eingab

"In Görsch."

Ich gab den Ort ein und der Computer sagte mir, daß er die Stadt nicht kennt

"Haben Sie bitte die Postleitzahl ?"

"Nu, Fräulein, die weiß ich nicht. Ich schreib mir doch selber keine Briefe."

Ahaha! Ich lach mich schlapp!

"Welches ist denn die nächstgrößere Stadt in Ihrer Nähe?"

"Da gibt's nichts."

Aufgemerkt: in Deutschland gibt es eine Wüste und inmitten dieser Wüste gibt es eine Stadt und die heißt Görsch. Man lernt ja nie aus!

"Haben Sie vielleicht irgendwo einen Brief oder eine Rechnung, auf der Ihre Postleitzahl stehen könnte"

"Nu, warten Sie, ich schau mal nach."

Es dauerte ungefähr 5 Minuten, bis Herr R. mit einem Briefumschlag zurückkam. Ungläubiges Kopfgeschüttel meiner Kollegen. Glücklicher Weise handelte es sich um seine Telephonrechnung, so daß er mir auch seine Telephonnummer korrekt durchgeben konnte. Dabei stellte sich heraus, daß er in einem Stadtteil von Chemnitz wohnte…!

Im nächsten Call-Center klickte ich mich durch Saalpläne für Kartenreservierungen

"Wie möchten Sie bezahlen? Per Überweisung oder per Kreditkarte?"

"Ich zahl mit meiner Kreditkarte."

"Welche Karte haben Sie? Mastercard, American-Express oder Visa?"

"Nee, die von meiner Bank, die Euro-Card."

"Entschuldigen Sie, das ist ihre Eurocheque-Karte, aber keine Kreditkarte."

"Aber bei meiner Bank bekomme ich doch auch Geld damit."

Dort wurden die Kreditkartendaten handschriftlich aufgenommen. Kurzfristig überlegte ich mit einem Kollegen, ob wir ein Wochenende lang diese Daten kopieren sollten, um uns dann schnell sehr viel Geld zur Seite zu schaffen und auf die Krim abszuetzen. Leider bin ich doch eine viel zu ehrliche Person. Aber ein tiefes Mißtrauen gegenüber online-Banking blieb.

Schließlich landete ich im technischen Kundenservice.

"Wenn das Scheißding nicht in 5 Minuten funktioniert, schmeiße ich es aus dem Fenster!"

Das war, man mag es kaum glauben, der netteste Job: coole Kollegen (eine angenehme Mischung aus Studenten und Technikfreaks), viel Handlungsfreiheit und wirklicher Service! Eigentlich nicht weiter verwunderlich, daß die Firma pleite gemacht hat!?

Glücklicher Weise tat sie das, nachdem ich dort aufgehört hatte, um Deutschland als Handlungsreisende in Sachen Kunst zu erkunden.

Nachbarn

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 17. Januar 2007

Vor einer Weile habe ich festgestellt, daß der Dachverband freier Theater in Hamburg nur eine Illusion ist. Nun hat doch noch eine Mail (an eine auf eigene Faust im Internet recherchierte mail-Adresse) einen der Vorsitzenden erreicht. Und der teilte mir mit, daß wir quasi Nachbarn sind:

www.dfthh.theaterblogs.de

Und ich wollte schon an meiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln!

Haar-Los

Abgelegt unter: Fundstücke — Claudia Reimer @ 16. Januar 2007

Heute las ich eine Anzeige in der U-Bahn:

"Ein makellos glatter Körper ohne störende Körperhaare ist das Merkmal attraktiver Menschen"

Ich möchte diesen Satz ergänzen:

"Ein makellos glatter Körper ohne störende Körperhaare ist das Merkmal attraktiver Menschen unter 11 Jahre"

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