ClaudiasBlog

aus dem Leben einer Schauspielerin

Es ist so langweilig, erfolgreich zu sein…

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 27. August 2007

Seit dem 29.07. spiele ich nun also -außer Montags- Theater.

Man sollte glauben, das würde mein Leben mit netten, kleinen Anekdötchen rund um das Theater, das Stück oder die Kollegen bereichern…Pustekuchen!
Die Kritiken waren größtenteils gut, das Publikum ist regelmäßig begeistert und selbst die Freunde, die zu Hauf ins Theater strömen, haben wenig zu kritisieren. Unser Ensemble hat die angenehme Arbeitsathmosphäre beibehalten: alle arbeiten professionell und sind freundlich.

Es ist herrlich! 

Nebenbei wurde mein Leben um diese Serie und unter anderem den wunderbaren Spruch "There is a thin person in me, crying to get out!" bereichert,
meine Kollegen singen jeden Tag - außer Montags - "Claudia, ich liebe Dir und Jaqueline auch!" für mich (dieses Lied, das irgendein Grenzdebiler seiner Freundin in irgendeiner Talkshow sang hat das verschämte "Claudia hat nen Schäferhund…"-Geträller der letzten Jahre glücklicher Weise abgelöst) und  wer wissen möchte, wie toll es klingt, wenn Interpretation vor Technik geht, sollte sich dies nicht entgehen lassen (wenn man mag, kann man sich auch noch die Schlafwandel-Szene der Lady M. ansehen).

Apropos: Kritiken

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 02. August 2007

So. Nun sind sie also da, die ersehnten Kritiken. Sie fallen vorwiegend positiv aus (wäre auch ungewöhnlich angesichts der begeisterten Zuschauer!), aber auch eine Art Verriss ist dabei.
Recht haben sie alle irgendwie - jeder aus seiner Sicht der Dinge.

Da stellt sich doch die Frage: sollte eine Kritik nicht auch die äußeren Umstände einbeziehen?

Wenn ich in ein gutbürgerliches Restaurant gehe und dort wird ein "Filét Wellington" angeboten, weiß ich in etwa, daß ich etwas auf den Tisch bekomme, das anderweitig als "Schinken in Bierteig" verkauft wird. Bestelle ich es dennoch und meine negative Erwartung wird erfüllt…was dann?
Richtig: was bieten die auch "Filet Wellington" an, wenn sie doch viel besser Erbsensuppe können!
Einerseits.
Andererseits sind da noch die anderen Gäste, die Stammgäste. Und die mögen das Filet genau so, wie es dort angeboten wird…

Kann also eine Kritik nicht berücksichtigen, daß es sich hier nicht um ein "Filet Wellington" im herkömmlichen Sinne handelt, aber die Zutaten frisch waren, das Ganze im Geschmack angenehm und immerhin interessant war?

Kai Festersen machte diesen interessanten Vorschlag und ich frage mich tatsächlich seitdem: was erwarte ich von Kritiken?
Nichts!
In meinem ersten Engagement wurden die Kritiken von der Lebensgefährtin des Chefregisseurs geschrieben. Sie bemüßigte sich eines freundlich-neutralen Tones. Nach einem (absolut berechtigten) Verriss eines Stückes, gab es Beschwerden seitens des Theaters und zukünftig wurden die Kritiken nur noch von einem Praktikanten verfasst, der mehr oder weniger Inhaltsangaben schrieb.
Auf Tornée stießen wir auf viele engagierte Journalisten, die sich haarklein erklären ließen (und aufschrieben), wer wir seien, wie sich unsere Namen buchstabierten usf, um dann doch alles ganz anders oder falsch zu schreiben…
Danach habe ich aufgegeben und es konnte mich auch nicht ärgern, daß in einer Kritik einer großen Hamburger Zeitung zu einer Wiederaufnahme, der Name meiner Vorgängerin genannt wurde.
Das hat wirklich ausgereicht, mich nicht mehr darum zu kümmern, was in der Zeitung steht.