ClaudiasBlog

aus dem Leben einer Schauspielerin

die Arge

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 24. Juni 2008

Vor Jahren dichtete ein Kollege mal anläßlich einer letzten Weihnachtsmärchen Vorstellung:

Oh Christenheit, singt frohe Lieder!
Das Arbeitsamt, das hat uns wieder!

So. Nach 7 Jahren ist es also auch für mich wieder an der Zeit, diese Räume, die ich nie wieder betreten wollte, aufzusuchen. Es hat sich einiges geändert: ich bekomme jetzt einen Termin, warte nicht mehr stundenlang in überfüllten Warteräumen, an- und abmelden für einzelne Tage ist telephonisch möglich (vor 7 Jahren musste ich nach jeder tageweisen Abmeldung tatsächlich persönlich erscheinen, um sicherzustellen, daß ich auch da bin) und statt der verknöcherten, humorbefreiten Beamten ist meine eine Beraterin ein kanpp 20 jähries, schüchternes Mädchen, die andere eine Mitt-Vierzigerin mit deutlichen Anzeichen eines Burn-Out-Syndroms…das verspricht alles noch sehr spannend zu werden!

Ich habe micht entschieden, die ganze Angelegenheit sportlich zu sehen und hoffe, das hilft!? 

kleines Rechenbeispiel

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 19. Juni 2008

Angelehnt an eine wahre Begebenheit, hier mal eine kurze Rechnung:

Ein Theater in - sagen wir mal - Frankfurt sucht Schauspieler explizit aus Hamburg, weil Abstecher im Hamburger Umland geplant sind.
"Spielort muß Wohnort sein."
Die Vorsprechen finden allerdings in Frankfurt statt. Reisekosten werden nicht übernommen, aber es wird gerne eine Bestätigung für die ZAV oder das Arbeitsamt ausgefüllt…

Meine erste Frage ist natürlich: wenn man Schauspieler aus Hamburg und Umgebung sucht, warum macht man dann nicht auch die Vorsprechen in Hamburg und Umgebung?
Ein Kollege antwortet mir treffend: weil die dann ja ihre Fahrtkosten und die Miete für den Raum, in dem das Vorsprechen in Hamburg stattfinden soll zahlen müssen.

Eine Fahrt von Hamburg nach Frankfurt kostet mich neben ca 8 Stunden reiner Fahrtzeit außerdem ca. 202,-€ ohne Ermäßigung mit der deutschen Bahn.
Wenn sich 5 Schauspieler aus Hamburg und Umgebung in Frankfurt vorstellen wollen und das Arbeitsamt oder die ZAV die Fahrtkosten übernehmen, sind das mal eben 1010,-€. 
Wäre es da nicht sinnvoller, die ZAV oder das Arbeitsamt zahlten dem Theater die Fahrtkosten nach und die Raummiete in Hamburg???

 

fremd flirten

Abgelegt unter: Auf See — Claudia Reimer @ 11. Juni 2008

In jedem Land ist alles anders. Auch das Flirten. Und das kann einen, so als "kühle Nordeuropäerin" schon mal verwirren…

So zum Besispiel beim Spaziergang an der Strandpromenade von Civitavecchia. Das Wetter war eher Nordseemäßig, wir hatten gerade in einem Restaurant mit auffallend unhöflicher Bedienung gegessen, eine Stunde auf das Essen gewartet und zerstreuten uns in alle Himmelsrichtungen. Ich schlenderte die Promenade entlang, windzerzaust, mein Schultertuch fest um mich geschlungen, als mir plötzlich jemand etwas ins Ohr raunt!
Ich hatte keine Schritte gehört. Meine Familie ist ausgesprochen Herzinfarkt gefährdet. Ich würde mich nicht erschrecken, wenn ich jemand anders wäre, weil ich mich immer fürchterlich erschrecke. 
Ich erschrak mich fürchterlich, machte fast einen Satz in die Blumenrabattenzu meiner Linken und starrte dem Radfahrer konsterniert hinterher, der sich gerade von hinten an mich herangepirscht hatte, um mir etwas (italienisches) ins Ohr zu raunen und weiter zu fahren.
Tolle Methode.
Die ich auch schon fast vergessen hatte, als mir 3 Wochen später - bei strahlendem Sonnenschein - das Gleiche wiederfuhr.
Eine Woche später in Pompeji holte ich mir eine wunderbaren blauen Fleck, als ich gerade das Drehkreuz passieren wollte, das von dem freundlichen Mann bedient wird, der auch die Eintrittskarten entgegennimmt. Nur bediente der Mann das Drehkreuz nicht, weil er noch einen netten Blick erwartete, nachdem ich ihm meine Eintrittskarte gegeben hatte.
Eine weitere Woche später trat mir in Neapel ein alter Mann in den Weg und raunte mir (also eher meinem Dekolté) etwas auf italienisch zu, was ich für einen Bettelversuch hielt und ignorierte.
Und selbst beim Eiskauf hatte ich es immer noch nicht raus.
"Was will er denn noch?" fragte mein Kollege ungeduldig, als ich mein Eis immernoch nicht bekam. Nach einem tiefen Blick des Verkäufers, meinte er "Ach so! Flirten!"

Ich entschuldige mich hiermit offiziell bei allen Italienern, deren Flirtversuche ich nicht bemerkt oder ignoriert habe! 
"Vielleicht bin ich einfach zu deutsch."
:-(.

wieder zurück

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 10. Juni 2008

Da bin ich also wieder.

Der erste Eindruck, als ich aus dem Flieger steige: hier riecht es anders, irgendwie nach Lindenblüte und frischer… Das Wetter müht sich sehr, keinen Klimaschock aufkommen zu lassen und so schlafe ich in der ersten Nacht ganz gegen meine Gewohnheit bei sperrangelweit geöffnetem Fenster (habe ich Fenster, Nachthimmel und Luft in den letzten 3 Monaten doch mehr vermisst, als ich dachte???).
Der erste Gedanke beim Aufwachen: "Das ist alles skurill hier!"
Stop!
Das war mein Gedanke auf dem Schiff! Das Schiffsleben ist skurill - unwirklich!! Das hier ist die Realität!!!

Es dauert wohl eine Weile, bis ich wieder da bin…

wie die Zeit vergeht!

Abgelegt unter: Auf See — Claudia Reimer @ 01. Juni 2008

Nun sind es tatsaechlich nur noch 5 Tage und dann sind drei aufregende Monate auch schon wieder um! Mir verging die Zeit wie im Flug!
Vielleicht lag es daran, dass staendig neue Eindruecke auf mich einprasselten… vielleicht auch einfach daran, dass 3 Monate nicht so lange sind, wie man denkt!?

Wie wird es sein, wenn ich endlich wieder fuer mich selber kochen kann und meine Wohnung selber aufraeumen muss? Werde ich (die ich immer dachte, ein wenig Himmel sehen zu muessen, bevor ich einschlafe) schlafen koennen, wenn es nicht stockfinster um mich herum ist und mein Bett sich nicht bewegt?
Werde ich mit der so heiss ersehnten Einsamkeit umgehen koennen?

Ich habe mich an sehr vieles sehr schnell gewoehnt: schlechten Kaffee, heisses Geschirr (direkt aus der Spuelmaschine), das jedes Eis schnell in Milchshake verwandelt, staendige Gesellschaft bei Fruehstueck, Mittagessen und Abendbrot keinen anderen Nachtisch als Obst und (hin und wieder mal) Eis, die kurzen Wege zum Sport, in den Waschsalon und ins Theater, nette Kollegen, doofe Menschen…
an vieles werde ich mich nicht gewoehnen:
Uniform zu tragen, Antraege zu stellen, wenn ich (an Bord) essen gehen will, Alkohol mitbringen moechte, ueberhaupt irgendetwas will, was nicht den "Regeln" entspricht und an die Willkuer mit der mancher Vorgesetzter die Regeln fuer sich auslegt und erweitert…
und einiges werde ich vermissen:
die angenehmen Temperaturen, Spanien, Frankreich (Italien nicht so sehr), meinen Badnachbarn 2336 vermisse ich jetzt schon, obwohl seine Nachfolgerin auch sehr nett ist, einmal in der Woche frische Bettwaesche, das tolle Publikum und last but not least neben all den entzueckenden Kollegen natuerlich meinen Buehnen-Partner, mit dem ich drei Monate das Vergnuegen hatte zu spielen und die Welt zu entdecken!

Es gibt das Angebot auf einen Folgevertrag und somit die Garantie (falls ich annehme) viele Menschen wieder zu treffen, und all die Plaetze (und einige mehr wo ich auch noch nie hinwollte) wieder zu sehen … ich brauche erst einmal eine Weile festen Boden unter den Fuessen, um das entscheiden zu koennen, stelle mich aber innerlich schon darauf ein, bald wieder in 2335 einzuziehen!
Bis dahin denke ich sehr lieb an all diejenigen, die noch ein wenig laenger durchs Mittelmeer schippern und an all diejenigen, die jetzt auf anderen Schiffen fahren und freue mich sehr auf eine letzte Runde in der Crewbar am Donnerstag!

:-)