ClaudiasBlog

aus dem Leben einer Schauspielerin

Luxor - das Tal der Könige

Abgelegt unter: Allgemein, Auf See — Claudia Reimer @ 27. November 2008

Die Fahrt von Safaga nach Luxor dauert gute drei Stunden. Wir brechen früh um 7:30 auf. Unsere Reiseleiterin, Dina, ist in Deutschland aufgewachsen, lebt aber jetzt in Kairo und ist ein unermüdlicher Quell an Wissen. Von ihr erfahren wir, daß der ursprüngliche Name von Luxor Theben lautet. Damit ist der Ohrwurm für den Tag festgelegt. Martin singt in unserem Chansonprogramm „In der Bar zum Krokodil“ eine Zeile lautet:
„Denn Theben ist für Memphis, daß was Lausanne für Genf ist.“

Drei Stunden Fahrt im Bus erschienen mir zunächst lang, aber der Blick aus dem Fenster ist spannend. Wir verlassen Safaga ziemlich schnell und nehmen Kurs auf die Berge. Safaga selbst wirkt sehr leer, die Berge sehen grau aus.
Ich kenne Karst aus Kroatien. Diese Berge sind anders: es wächst absolut nichts auf ihnen. Das Grau stellt sich als Beige heraus. Einige Stellen erscheinen rötlich oder grün auch die Struktur der Felsen ändert sich ständig, mal sind es sanfte Linien, als handele es sich um einen erkalteten Lavastrom, mal bizarre Formationen, eckig und schräg… die Bergwüste, durch die wir fahren hat keinen besonderen Namen, man unterscheidet nur drei Arten von Wüste: Berg- Stein- und Sandwüste - bestimmte Namen gibt man ihnen nicht, die Steine sind aus unterschiedlichen Mineralien zusammengesetzt und dadurch haben sie verschiedene Farben und Formen.

Nach einer Stunde ändert sich die Landschaft: die Berge weichen zurück, bis sie ein heller Strich am Horizont sind und wir fahren durch Steinwüste, die sich schnell in Sandwüste verwandelt.

Ich denke an eine Bekannte, die in der Mongolei war und beschrieb, wie unendlich der Himmel dort wirke.

Nach einer weiteren Stunde sehen wir die ersten grünlichen Einsprengsel, die sich sehr schnell zu Büschen formieren und plötzlich fahren wir an einem schmalen Fluß entlang und die Landschaft ist grün und üppig: Palmenhaine, Zuckerrohrfelder, am Ufer Bougainvilleen, die in ihrer Üppigkeit in krassem Gegensatz zu den flachen Barracken am Flußufer stehen.
Manche dieser Barracken sehen aus, als hätten sie kein Dach, auf manchen ragen Grundpfeiler für ein zweites Stockwerk in die Höhe. Von einer Kollegin weiß ich, daß man in Ägypten Steuern zahlt, sobald eine Wohnung Fenster hat. Das erklärt, warum so viele im Bau befindliche Gebäude schon bewohnt erscheinen.

Alle paar Kilometer passieren wir Wachtürme, in denen Soldaten mit Maschinengewehren sitzen.

Auf den Feldern arbeiten die Bauern, alle in den traditionellen Abayas, langen, vorne offenen Gewändern. Sie sicheln das Zuckerrohr auf den Feldern und transportieren es auf Mulis oder Lastwagen. Mulis grasen zusammen mit Ziegen am Flußufer.

Von den Kolossen von Memmnon, unserem ersten Photostop ist es nur ein Katzensprung ins Tal der Könige.
Das Tal befindet sich zwischen lauter Bergen aus hellem, beigen Sandstein. Es ist 12:30, die Sonne brennt, der Himmel ist strahlend Blau.
Unserem batteriebetriebenen Bimmelbähnchen geht auf halber Strecke der Saft aus. Das bedeutet, daß wir ca. 50m zu Fuß gehen müssen.

Den Arbeitern, die am Bau der Gräber beteiligt waren, hatte man die Augen verbunden und ans Westufer des Nil gebracht, damit sie nicht berichten konnten, wo sie gearbeitet hatten. Wir dürfen gucken, aber nicht photographieren - d.h. im Tal ist das Photographieren erlaubt - in den Gräbern nicht.

Die Ausgrabungsarbeiten dauern an. Man ist sich sicher, noch nicht alle Gräber gefunden zu haben. Die Arbeiter, die wir ebenfalls nicht photographieren dürfen arbeiten mit Schaufeln und Eimern - es scheint sich wenig geändert zu haben in den letzten hundert Jahren? Andererseits beginnt man Ausgrabungsarbeiten wahrscheinlich auch nicht gerade mit einem Presslufthammer…

Unsere Eintrittskarte berechtigt uns zum Besuch von drei Gräbern. Dina gibt uns Tips, welches die drei interessantesten sind. Zwar befindet sich auch das Grab von Tut Ench Amun hier, aber er war ein vergleichsweise unbedeutender Pharao. Uns erscheint er nur so wichtig, weil seine Grabkammer und die darin enthaltenen Schätze so gut erhalten, bzW von Grabräubern unberührt waren. Also sparen wir uns sein Grab und besichtigen die Gräber von Ramses IV, Tutmosis III und Ramses IX (insgesamt gab es 19 Ramsese…).

Der Weg zum Grab von Tutmosis III führt über eine schmale, steile Eisentreppe in die Höhe. Man biegt um zwei Ecken (in denen reichlich Postkarten - Verkäufer lauern) und steht vor einer schmalen Holztreppe, die steil in eine erste Kammer hinabführt. Davor sitzt der Kartenkontrolleur und verteilt kleine Pappen.
Es ist stickig im Grab.
Und es wird stickiger je tiefer man gelangt.
Im Grab klettert man eine weitere steile sehr, sehr lange Holztreppe hinab, bis man in der Grabkammer ist. Spätestens jetzt braucht man die Pappen dringend zum Fächeln (wie praktisch, daß mein Fächer in meiner Kabine liegt!). Ein Aufseher leuchtet mit seiner Taschenlampe in den Sarkopharg dessen Deckel eine etwa 4 cm schmale Lücke lässt, in den die Umrisse des Pharaos gemeißelt sind.
Wir klettern zurück nach oben und die mittagshitzige Luft erscheint uns kühl. Wir sind alle schweißgebadet.

Alle Gräber sind mit gemeißelten Hieroglyphen und Wandmalereien verziert. Obwohl viele der Malereien nicht vollständig erhalten sind, verleihen sie den Gräbern eine Pracht, die sich mit jeder Rokoko-Kirche messen kann.

In der einen Stunde, die wir Zeit haben, schaffen wir genau die drei empfohlenen Gräber. Ein wenig bedauere ich, daß wir weiter müssen, allerdings wartet das Mittagessen auf uns! Das Steigenberger in Luxor bietet einen spektakulären Blick auf den Nil - wir essen im „Nubischen Restaurant“ im zweiten Untergeschoß. Es ist fast wie auf dem Schiff: keine Fenster, aber dafür ist das Essen um Längen besser!

Nach dem Essen geht es zu unserem letzten Stop: dem Tempel von Karnak.
Ich habe Photos von allem gemacht - sie werden den Originalen nicht gerecht - es ist einfach zu beeindruckend! In der untergehenden Sonne bekommt alles einen warmen, orangen Schimmer und die Mauern strahlen die Hitze des Tages ab… während die letzten Strahlen der Sonne verblassen erschallt der Ruf des Muezzins… für uns das Zeichen zum Bus zurück zu kehren.

Auf unserer Rückfahrt ist von der Landschaft nichts mehr zu sehen, im Licht der gelben Straßenlaternen sehen wir, daß die meisten Häuser Stromanschluß haben: aus den Barracken scheint bläuliches Licht, das auf Leuchtstoffröhren oder Fernseher hinweist - vereinzelt sitzen Menschen vor Lagerfeuern am Ufer… schließlich nur noch Dunkel… ich kehre voller Bilder von Ägypten zurück… und bin sehr, sehr dankbar!

Sharm El Sheikh

Abgelegt unter: Allgemein, Auf See — Claudia Reimer @ 26. November 2008

Unser Schiff liegt etwas außerhalb und Kollegen raten uns ein Taxi nach Naama Bay zu nehmen, die Fahrt dauere ca. 20 Minuten und koste 10;-€.

Wir sind zu Fünft.
 
Am Hafenausgang warten schon lauter Taxifahrer.
Die Verhandlungen lassen sich gut an, schließlich einigen wir uns, daß uns alle ein Taxi für 10,-€ mitnähme.

Nach ungefähr 5 Minuten Fahrt hält der Taxifahrer und meint, wir seien da. Ich naives Kind würde mich sofort bedanken und aussteigen aber ich sitze eingequetscht zwischen Martin und Tobi auf der Rückbank und alle bezweifelten, daß wir schon da seien.
Doch, doch, dies sei der Strand! („Yes! Beach!“) beharrt unser Taxifahrer. Wir wollen nicht an irgendeinen Strand - da hätten wir auch hinlaufen können, wir wollen nach Naama Bay.
Ja, ja. Das sei schon ganz richtig hier. (Yes, yes! Beach!) Wir beharrten darauf, nach Naama Bay zu wollen er fängt an, zu rumoren, Naama Bay sei 20 Kilometer entfernt, daß sei so weit weg, das könne er nicht für 10,-€… („Twenty kilometre! Too far! Naama Bay! No 10,-€.“)

wir weisen ihn darauf hin, das sei der Deal gewesen.

Murrend fährt er weiter und hält schließlich wieder irgendwo, wo es nicht nach Naama Bay aussieht…
Gaby, die neben Martin am Fenster eingequetscht ist, kurbelt das Fenster herunter und fragte einen Polizisten, der gerade den Verkehr regelt, ob wir in Naama Bay seien?
Der Polizist antwortete, daß Naama Bay weiter weg sei (also eigentlich deutet er mit seinem Knüppel einfach die Straße herunter), der Taxifahrer beschimpft ihn durch die geschlossene Scheibe und fährt weiter.

So kommen wir schließlich in Naama Bay an. Einem aus dem Boden gestampften Touristen Ort: ein Restaurant neben dem anderen, ein Bazar neben dem nächsten… ich bin sehr froh, daß ich mir bisher keinen Urlaub hier gegönnt habe es ist so beliebig und ausstuaschbar, wie wahrscheinlich jeder andere Touristenort auch.
Für den Strand zahlen wir 5,-€ Eintritt. Es ist tatsächlich ganz schön!

Und: ich habe im Roten Meer gebadet! Zwei Mal!!

Für die Rückfahrt finden wir einen Taxifahrer, der uns für 5,-€ zurück zum Schiff fahren will. Kein Wunder!
Er hat den letzten Wagen in einer langen Schlange.

Um aus der Parkbucht zu fahren, muß er ein Stück rückwärts zurücklegen und Tobi meint „Kein Wunder, daß der so billig ist, der fährt die ganze Strecke rückwärts.“

Kaum auf der Straße, geht die Handelei wieder los, er will 7,-€…
Trotzdem ist er nett und hat laut Rudi, auf dem Vordersitz, keinen so starken Mundgeruch, wie der erste Taxifahrer.

Als wir aussteigen, stellen wir fest, daß keiner von uns einen 5,-€ Schein hat… wir kratzten Kleingeld zusammen, was dem armen Taxifahrer nichts genützt hätte, da man in Ägypten fremdländisches Kleingeld auf der Bank genau so wenig einwechselt, wie in Deutschland…
Gaby hat noch 10,-$ und so kommt er dann letztendlich doch auf seine 7,- €…

Golf von Aden

Abgelegt unter: Auf See — Claudia Reimer @ 26. November 2008

Als Hamburgerin bin ich mit bestimmten "Sehnsuchtsbegriffen" aufgewachsen. Wörter, bei denen ich an "die weite Welt" denken muß. Zum Beispiel "Haiti" oder "Panama Kanal". Diese Wörter lösen bei mir Bilder von knarrenden Segeln, Priem kauenden Matrosen, blauem Wasser und einem großen Frieden aus.

Und dann gibt es Wörter, die erst im Laufe der Zeit eine Bedeutung bekommen. So zum Beispiel "Golf von Aden". Vor 2 Monaten las ich über ein entführtes Tankschiff. Auf der dem Artikel beigefügten Karte konnte ich sehen, daß das Schiff just dort entführt wurde, wo unsere Reise uns hinführt:
Im Golf von Aden.
Im Laufe der Zeit und je näher der Zeitpunkt kam an dem wir den Golf von Aden durchfahren sollten, gewann dieser Golf mehr und mehr an Bekanntheit. Als Ort an dem Piraten nicht davor zurückschreckten, auch große Schiffe zu entführen.

"Hm!" dachte ich bei mir "Wenn ich Pirat wäre, würde ich ja ein Kreuzfahrtschiff entführen! Öl ist schön und gut, aber ein paar tausend Geiseln sind ja auch nicht zu verachten!"
Kaum hatte ich diesen Gedanken laut geäußert, wurde ich von meinen Kollegen kopfschüttelnd milde belächelt. Man murmelte etwas von "Viel zu schwer unter Kontrolle zu halten." und ich stellte fest, daß ich als Pirat wohl der dümmste Pirat der Welt wäre.

Trotz aller Versuche, uns zu beruhigen, werden unauffällig Sicherheitsmaßnahmen getroffen, die das normale Maß übersteigen… das wirkt beruhigend und beängstigend zugleich.

Mein Kollege und ich beschließen unseren potentiell letzten Rosé in Freiheit auf dem Crew-Deck zu genießen.Wir starren sinnierend in die Dunkelheit und mein Kollege sagt:
"Guck mal! Dahinten fährt ein Schiff auf unserem Kurs!"
"Quatsch!" antworte ich "Man kann die Backbord-Lichter sehen. Es fährt von uns weg."

Wir trinken weiter. 10 Minuten später sagt mein Kollege:
"Nee, also das Schiff kommt doch näher!"
"Nein!" sage ich mit schulmeisterndem Ton "Wenn wir das Backbord-Licht sehen können, fährt es von uns weg!"

Weitere 5 Minuten später kann selnst ich nicht verleugnen, daß
a) aus dem kleinen, blinkenden Licht in der Ferne mittlerweile ein deutlich sichtbarer, roter Punkt geworden ist und
b) ein Schiff dessen Backbord Licht man hinter sich sehen kann selbstverständlich auf gleichem Kurs ist.

Hektisch überlege ich, was "Erschießen Sie den dicken Passagier neben mir, ich arbeite hier nur!" auf somalisch heißen könnte? Es fällt mir nicht ein. Ich kann gerade mal in schlechtem Kisuaheli Reis mit Bohnen bestellen und auf Zulu fragen, wie es jemandem geht… Mist!

Mittlerwiele ist auch ein Sicherheitsbediensteter mit Walky Talky erschienen, der angestrengt in die Dunkelheit starrt, um sich schließlich erleichtert zurückzulehnen: aus der Dunkelheit schält sich die Silouhette eines deutschen Marineschiffes.
Unsere Eskorte!

Ein herzliches "Prost!" unseren Beschützern.

vor dem Suez Kanal

Abgelegt unter: Allgemein, Auf See — Claudia Reimer @ 19. November 2008

Wir liegen vor dem Suez Kanal auf Reede und warten auf unsere Durchfahrt. Der Suez Kanal ist eine Art Einbahnstraße: auf beiden Seiten sammeln sich Schiffe, die dann zeitgleich im Konvoi losfahren.
Der Süden hat Vorfahrt.
Das heißt für uns von Norden Kommende: im Great Bitter Lake parken wir und lassen den südlichen Konvoi passieren, um dann unsere Fahrt in Richtung Golf von Aden wieder aufzunehmen.

Ich bin so gespannt auf die Landschaft, die einfach einmalig sein soll, daß ich hoffentlich trotzdem schlafen kann!

Auf der Brücke

Abgelegt unter: Allgemein, Auf See — Claudia Reimer @ 15. November 2008

Die Sicherheitsbestimmungen auf dem Schiff sind (seit dem 11. September natürlich!) sehr hoch. So darf niemand, der nicht autorisiert ist, den Maschinenraum oder die Brücke betreten.
Das gilt auch für die Crew, die nicht in diesen Bereichen arbeitet. Zuwiderhandlung hat, wie einen die entsprechenden Schilder aufklären, ernsthafte disziplinarische Folgen.

Die einzige Möglichkeit für ein normales, nicht autorisiertes Crewmitglied, die Brücke zu sehen, ist, sich so zu benehmen, daß es einen Anpfiff vom Kapitän zur Folge hat. Da so ein Anpfiff von allerhöchster Stelle allerdings gleichbedeutend mit einer Kündigung ist, lohnt es sich wenig dies für einen Blick auf und von der Brücke zu riskieren…

Dementsprechend beunruhigt war ich, als ich einen Anruf von meiner Showmanagerin bekam, ich solle mich bitte auf der Brücke einfinden. Ich war mir keiner Schuld bewußt. Zwar hatten mein Kollege und ich 2 Wochen zuvor in einem Anfall von Ungehorsam und Übermut einen Abend ohne „Leisure Pin“ an der Bar gesessen, dies war aber völlig unbemerkt geblieben.

Zunächst einmal mußte mir unsere Showmanagerin den Weg zur Brücke erklären. Der Zugang ist nämlich auch durch absolute Unauffälligkeit gesichert. Dann stand ich also vor der unscheinbaren (Stahl?)tür, klingelte, wurde gescannt und schließlich mit klopfendem Herzen eingelassen.

Es empfingen mich der erste Sicherheitsoffizier und ein traumhafter 180° Panoramablick.

Es ging um Folgendes: bei den Seenotrettungsübungen und den Übungs-Drills für die Crew waren die Ansagen schwer zu verstehen. Die Offiziere, die die Durchsagen machen müssten sind Italiener, ihr Englisch hat einen italienischen Akzent, Deutsch sprechen sie gar nicht, außerdem sind eigentlich alle viel zu beschäftigt und im Ernstfall auch zu angespannt. Man sucht also jemanden, der eine klare Aussprache und eine beruhigende Stimme hat… die Wahl fiel auf mich.
Und somit habe ich im Ernstfall auch das große Los gezogen: ich darf nämlich erst mit dem Brückenteam zusammen vom Kahn und da der Kapitän bekanntlich als letzter von Bord geht, dürfte ich dann die Zehntletzte sein… herzlichen Glückwunsch -  oder, wie unser Ausbilder beim „Basic Safety“ sagte: „Ein bißchen Schwund ist immer!“

Morgen - am 3.11. - ist mein erster Einsatz - ich bin gespannt!