ClaudiasBlog

aus dem Leben einer Schauspielerin

erstaunlich aktuell

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 11. Dezember 2009

ist mal wieder der gute alte William S.:

… und ich habe noch nicht einmal einen Liebsten für den es sich zu leben lohnt… manchmal finde ich mich sehr, sehr tapfer ;-)

Quo vadis theatrum?

Abgelegt unter: Allgemein, Theater — Claudia Reimer @ 03. August 2009

Neulich fiel mir auf, wie oft und gerne ich früher ins Theater gegangen bin und wie oft ich berührt oder beglückt das Theater verließ. Besonders erinnerlich ist mir die Bogdanov - Inszenierung von "Unter dem Milchwald" am Hamburger Schauspielhaus, die ich mir sage und scheibe drei Mal ansah und immer wieder Vergnügen hatte: an der Spielfreude der Akteure, der wunderbaren Sprache von Dylan Thomas.

Oder "Liebe Jelena Sergejewna" im Malersaal des Schauspielhauses. Am Ende saß ich da und war so betroffen von der Geschichte, daß ich einen Moment lang nicht klatschen konnte oder wollte… wer möchte eine solche Geschichte beklatschen???
Am selben Ort entdeckte ich Werner Schwab, der damals noch lebte und eine Vorstellung von "Volksvernichtung, oder: meine Leber ist sinnlos" besoffen verschlief.

"Weihnachten bei Ivanovs" im TIK erweckte bei mir den noch nicht erloschenen Wunsch, einmal den Tannenbaum zu spielen und in "Molly Sweeny" vergoß ich Tränen…

Wo sind diese Momente hin?

Ich dachte erst, es läge an meinem Alter und der zunehmenden Berufserfahrung, daß Theater mich immer seltener erfreut, aber die Momente sind noch da nur sehr viel seltener geworden. Nach einer Umfrage im Kollegen- und Freundeskreis stellte ich fest, daß es eine unselige Tendenz im Theater zu geben scheint, keine Geschichten mehr erzählen zu wollen.

Gerade hier in der Großstadt gibt es immer mehr das Bestreben, den Theaterabend knapp und unspektakulär zu halten: bis zu 2 Stunden wird durchgespielt. Blos keine Pausen! Das ganze Drumherum, das so einen Theaterabend außerdem ausmacht, der "Event" einen Abend auszugehen, sich evtl. schick zu machen, in der Pause zu unterhalten (und nicht während des Stückes) … runtergebrochen auf die maximale Aufmerksamkeitsspanne eines Kinobesuchers. Kein Wunder, daß berührende Momente dabei verloren gehen: keine Zeit!

Man setzt auf "Altbewährtes" oder das, was man dafür hält, bringt erfolgreiche Filme auf die Bühne in der Hoffnung, daß das was als Film erfolgreich war auch als Theaterstück funktioniert. Früher beschwerten sich die Leute über die ständigen Wiederholungen im Fernsehen… jetzt schwimmt das Theater auf dieser Ermüdungswelle mit. Dazu kommt absolute Phantasielosigkeit in den Inszenierungen…

Bei all dem frage ich mich mit einigem Entsetzen: wo ist da mein Platz? Wo sind die Menschen, die Geschichten erzählen wollen? Wo sind die Schauspieler, die die Tiefen ihrer Figuren ausloten mögen? Wo finde ich die Art von Arbeit, für die ich diesen Beruf gelernt habe?

Nachtdreh

Abgelegt unter: Allgemein, Film, TV & Co — Claudia Reimer @ 22. Juni 2009

Normaler Weise gehe ich spät ins Bett. 2:00 ist normal für mich, wenn es später wird, ist das auch nicht schlimm. Ich hätte nie gedacht, daß in dem Moment, in dem ich auf der Dispo "Maskenzeit 19:45" lese müde werde und mir denke, daß 19:00 eigentlich eine tolle Zeit zum Schlafengehen ist.

Glücklicher Weise ist der Drehort 5 Minuten von meiner Wohnung entfernt. So sause ich um 19:30 mit meinem Fahrrad in Richtung Set.
Es beginnt gemütlich für uns. Wir sind nur drei Hauptdarstellerinnen, die in die Maske müssen, die Komparsen bleiben ungeschminkt, die Maskenbildnerin ist ein Schatz wir haben Zeit und sehen nach einiger Zeit total schön und ganz natürlich aus.
Dann beginnt die Warterei.
Glücklicher Weise ist es dort wo wir sitzen warm, für Getränke ist gesorgt und eine große Dose "Haribo" sorgt dafür, daß wir keinen Unterzucker bekommen. Gegen 23:00, geht es los.
Unsere Mägen knurren trotz Lakritz und Gummitierchen, aber ans Essen ist jetzt nicht zu denken, jetzt wird gedreht.

Wir kleben eingekeilt zwischen Scheinwerfern und Kamera an unserem Drehort fest, während 3 Stunden später "flying diner" angekündigt wird. Da wir verspätet angefangen haben, wird die Mittagspause ausgelassen und jeder, der Zeit hat, nimmt sich etwas zu essen. Wir haben keine Zeit und sehen immer wieder Leute mit Salat-oder Nudeltellern an uns vorüberziehen, hoffend, daß das Knurren unserer Mägen dem Tonmann nicht auffällt. 

Um 03:10 können wir uns das erste Mal wegbewegen. Meine Zunge klebt am Gaumen, obwohl ich keinen Text habe, mein Magen hat aufgegeben zu Knurren, er hat sich aufs Schmerzen verlegt.
Tatsächlich bekommen wir noch ein paar Nudeln warmgemacht und zusammen mit der plötzlichen Entspannung sorgt die Nahrungsaufnahme für einen totalen Müdigkeitsanfall. Um 06:00 müssen wir das Set verlassen, ich schaue auf eine Uhr und tröste Kollegin2 und mich damit, daß nur noch 2 Stunden durchzuhalten seien. Sie sieht mich an und sagt: "So lang, wie ein langer Kinofilm."
"Reality Check" sagt man auf englisch dazu.

Die folgenden 2 Stunden sind ein echter Kampf. Wieder vor der Kamera, können wir ein Gähnen in den Pausen nicht mehr unterdrücken, ich werde so abgelenkt von einem Komparsen, der gedankenverloren mit einem Schokoriegel knistert, daß ich nicht höre, wie ich Regieanweisungen erhalte, mein Körper hat auf Autopilot geschaltet, während ich ein und dieselbe Handlung gefühlte 300 Mal ausführe:
"Mach schön langsam, wir sind sehr nah!"
"Nee, das war zu langsam."
"Kannst Du etwas mehr zögern?"
"Das war zu stockend, etwas fließender bitte!"
In Wirklichkeit vergehen kaum 5 Minuten in denen ich mich auf die Stimme des Regisseurs zu konzentrieren versuche. Wie gut, daß nur mein Arm zu sehen ist, der kann nicht so müde aussehen, wie ich mich fühle, oder doch?

Schließlich ist es 06:00. aber wir müssen noch eine Stunde länger ausharren. Um 07:15 schwinge ich mich auf mein Rad, froh darüber nur einen kurzen Heimweg zu haben und auf Fahrradwegen fahren zu können. Verkehrstauglich bin ich in Wirklichkeit nämlich nicht.
Zum Glück besitze ich eine Schlafbrille, die mir gute Einschlafhilfe leistet, denn draußen ist schon hellichter Tag. Und während ich ins Traumland gleite frage ich mich, wann ich das letzte Mal eine Nacht durchgemacht habe und warum das nie so anstrengend ist, wenn man nicht dafür bezahlt wird?

Engagiert

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 29. Mai 2009

ging es zu beim Genossenschaftstag der GdBA.

"Genossenschaftstag" das klingt nach etwas, das wenig Spaß macht, staubtrocken ist und wo auf seltsam gewerkschaftlich kumpelige Weise miteinander umgegangen wird. War aber nur zum Teil so.

Vorweg sei gesagt: ich bin seit 16 Jahren Mitglied in der GdBA. Wir traten damals - noch auf der Schauspielschule - mit mehreren Kommilitonen in die GdBA ein. Bis der Rechtschutz, den man dort genießt, greift muß man nämlich ein halbes Jahr Mitglied sein und wir dachten uns, daß wir dann im ersten Engagement schon davon profitieren könnten, so es denn nötig sei.
Seit diesen Tagen, in denen man sich dort auch für die damals noch existierende "paritätische Prüfung" anmelden musste, habe ich die Räume in der Feldbrunnenstraße nicht wieder betreten. Und nach meinem ersten Engagement, in dem ich eine zeitlang "Obfrau" war, hatte ich auch keinen Anlass mehr, Kontakt mit der GdBA aufzunehmen. 

In all diesen Jahren fragte ich mich immer mal wieder, ob es tatsächlich noch sinnvoll ist, dort Mitglied zu sein? Hörte aber immerhin von 2 Kollegen, die die Hilfe der GdBA in mehreren Fällen erfolgreich in Anspruch genommen hatten. Und nach diesen 2 Tagen auf dem Genossenschaftstag sage ich mir: es lohnt sich nicht nur, dort Mitglied zu sein, es lohnt sich vor allem sich dort viel mehr einzubringen!

Ich kam quasi auf den letzten Drücker dazu:
Jeder Landesverband schickt seine Vertreter und es muß auch zwei Vertreter für die "Einzelmitglieder" geben, wie dort die Freiberufler heißen. Diese Einzelmitglieder wählten mich als Vertreterin an die dritte Stelle. Zu meinem Glück, fiel die Position 2 kurzfristig aus und ich rückte nach. Ich hatte einen halben Tag, mich mit dem Material zu beschäftigen, das insbesondere in einem dicken Packen Anträge bestand, die abgestimmt werden mussten.

Vor Ort, im Curio Haus in Hamburg, bekam ich eine Tasche mit weiteren dicken Packen: einer aktuellen Fassung des NV-Solo, der jetzt NV-Bühne heißt und ein kleines Heftchen mit der Satzung, ein Stimmkärtchen, eine Namensliste aller Anwesenden und dem obligatorischen Ansteck-Kärtchen mit meinem Namen und meiner Position. Auf der Namensliste entdeckte ich gleich mal zwei alte Bekannte, die ich dann auch in der Kaffeepause fand und mich während der nächsten Tage wirklich nett mit ihnen unterhielt.
Natürlich interessiert auch, wer da sonst noch so ist und so führte ich auch einige interessante Gespräche mit mir bis dato völlig unbekannten Kollegen aus anderen Sparten. 

Aber auch außerhalb der Pausen war es interessant ;-) Unter anderem stand "mein" ehemaliger Musikdirektor zur Wahl zum Präsidenten. So sieht man sich also tatsächlich immer zwei Mal im Leben. Und ganz nebenbei bekam ich einen Einblick, welche Probleme die Theater derzeit beschäftigen. Das erscheint zum Teil meilenweit von dem entfernt, was einen so als Freiberufler umtreibt. Ich glaube aber daß es einen Weg "aufeinander zu" geben wird und geben muß. Und daß gerade die "Freien" viel von dem profitieren können, was an den Theatern Gang und Gäbe ist.

Leider interessieren sich nur wenig "junge" Leute (also alles unter 40 Jahren) für die GdBA und/oder sind bereit ihre Erlebnisse und Erfahrungen einzubringen. Da nur diejenigen gehört und vertreten werden, die sich bemerkbar machen, sind das vorwiegend (aber zum Glück nicht ausschließlich!) die festengagierten Schauspieler/Tänzer/Sänger.
Dabei hat die GdBA mit über 130 Jahren einen enormen Erfahrungsschatz im Theaterbereich. Vertreter der GdBA sitzen in wichtigen Gremien, wie auch dem Kulturrat der unter anderem mit der Regierung über die Verkürzung der Anwartschaft für ALG I verhandelt hat!
Da befindet sich also ein ungeheuer mächtiges Instrument mitten unter uns und kaum jemand nutzt es!

Ich jedenfalls habe beschlossen, es zu nutzen und mich mehr zu engagieren!

Wen's ebenfalls interessiert:

Postanschrift:
Postfach 13 02 70
20102 Hamburg

Hausanschrift:
Feldbrunnenstraße 74
20148 Hamburg

Telefon +49 (40) 44 51 85 und 44 38 70,
Telefax +49 (40) 45 93 52.

Ziele

Abgelegt unter: Allgemein, Theater — Claudia Reimer @ 21. Mai 2009

Nachdem nun mehrere Monate lang meine Ziele fremdbestimmt waren ist es an der Zeit ein paar Ziele zu formulieren.

Vorsprechen:

Ich arbeite seit 17 Jahren als Schauspielerin. Ich glaube, daß ich Einiges kann und ich bin mir sicher, daß ich auch noch etwas lernen kann, ganz sicher bin ich mir jedoch, daß dies beides nicht mittels eines Vorsprechens zu ermitteln ist.

Ich kann mir keine berufsfremdere Situation, als die eines Vorsprechens vorstellen: auf einer gänzlich fremden Bühne, ohne Bühnenbild mit improvisiertem Kostüm, ohne Licht steht man da und versucht auch noch einen imaginären Partner an- oder mitzuspielen, während im Zuschauerraum eines 400 (600? 800??) Plätze Hauses 4 Leute sitzen.
Selbst auf Tournée, wo man mit einigen schrägen Situationen zu tun bekommt ist mir keine begegnet, die auch nur annähernd so schräg wäre wie dieser Moment.

Außerdem halte ich mir zu Gute, nicht nur mich und meine Arbeit anzubieten - ich wüsste auch gerne mit wem ich da zusammenarbeiten werde? Das kann ich nicht feststellen, wenn meine zukünftigen Arbeitgeber sich im Dunklen verstecken.
Ich habe gehört, daß man im englischsprachigen Raum etwas macht, daß sich "cold reading" nennt: man bekommt den Text der Rolle, für die man vorgesehen ist und liest/spielt sie unterstützt durch Regieanweisungen. Das nenne ich sinnvoll: mein Gegenüber kann sehen, ob ich in der Lage bin, Anweisungen umzusetzen und ich kann sehen, mit wem ich es da zu tun haben werde.
Bei Film und Fernsehen übrigens schon immer eine gängige Praxis :-)

Fazit: Ich gehe gerne zu jedem Arbeitstreffen, zu dem ich eingeladen werde.

Gagen:

Ich möchte nicht nur arbeiten, ich möchte für meine Arbeit auch angemessen entlohnt werden. Unser Mindestlohn liegt bei 1600,-€ brutto in den letzten Jahren habe ich gut 1000,- mehr verdient - netto. Irgendwo dazwischen sollten sich meine zukünftigen Gagen bewegen. Möglichst nicht am untersten Ende der Spanne und gerne am oberen.

Fazit: Bei einem Stück, das pro Monat an 6 Tagen in der Woche gespielt wird, sollte die Abendgage gerne bei 100,-€ oder mehr liegen.

Proben:

Während der Probenzeit möchte ich versichert sein.
Die Geschichte eines Kollegen, der sich während der unbezahlten Proben an einem (subventionierten) Theater den Knöchel verknackste und aufgefordert wurde, zu behaupten, das sei "auf der Straße" passiert ist ja mittlerweile bekannt. Das mag bei einem verknacksten Knöchel angehen, wie es dem Kollegen ergeht, der sich bei einer Probe einen Wirbel anbrach, weiß ich nicht und möchte es auch nicht am eigenen Leibe erleben.

Fazit: Proben müssen bezahlt sein. Ob man dies nun erreicht, indem man auf eine höhere Abendgage (Untergrenze siehe oben) zugunsten einer Probenpauschale verzichtet, oder sich einen anderen Kniff einfallen lässt, ist mir egal.

Respekt:

Auf meine Bewerbung zu einem scheinbar gut bezahlten Job bekam ich eine Antwortmail, die vor Schreibfehlern nur so strotzte, mir einen "Castingtermin" (was ist mit dem schönen deutschen Wort "Vorsprechen" passiert???) nannte und mich darauf hinwies, daß aus "organisatorischen Gründen" keine Reisekosten erstattet werden könnten. Mit keinem Satz wurde auf meine Bewerbung eingegangen.

In jeder meiner Bewerbungen versuche ich ein paar persönliche Sätze zu formulieren. Natürlich geht es im Endeffekt darum, daß da jemand Arbeit hat und ich die gerne hätte, dennoch kann man freundlich aufeinander zugehen.

Jeder Computer verfügt mittlerweile über eine Rechtschreibprüfung ich benutze sie, wenn ich wichtige "offizielle" E-Mails verschicke, denn wie las ich neulich: "Eine korrekte Rechtschreibung ist eine Visitenkarte, die sich jeder selbst ausstellt."

Und seit dieser Mail versuche ich mir vorzustellen, welche organisatorischen Gründe einen davon abhalten können, Reisekosten zu erstatten? Die Kasse steht ganz oben auf dem Regal, wir sind alle nur 1,60m groß und die Leiter steht im Nachbarhaus, wo sie von einer bissigen Bulldogge bewacht wird? 

Auch gerne genommen: nach dem Vorsprechen kritischer Blick mit meinem Lebenslauf in der Hand auf mich: "Wie groß sind Sie?"
Ich, freundlich lächelnd: " 1,75m. Steht direkt da oben."
Kritischer Blick zwischen mir und meinem Lebenslauf hin und her: "Sie wirken größer."
Ich, in Gedanken: "Ja, ich weiß, aber soetwas wie 'gefühlte Größe' gibt es nicht."
Nachdenklicher Blick: "Unsere Schauspieler sind alle so um die 1,80m. Sie könnten ein wenig groß sein."
Ich, in Gedanken: "Warum bin ich dann hier??"

Fazit: Ich lese die Stellenangebote genau und bewerbe mich nur da, wo ich den Eindruck habe, passend zu sein. Bitte, liebe Intendanten und Oberspielleiter: lest meine Bewerbung genau so sorgfältig, wie ich Eure Stellenanzeigen und entscheidet, ob ich tatsächlich passe. Der Austausch sollte immer respektvoll sein.

 

Pax

Abgelegt unter: Auf See — Claudia Reimer @ 12. Mai 2009

ist das lateinische Wort für Frieden.

Auf einem Schiff ist es die Kurzform für "Passagiere". Meistens wird es neutral gebraucht, oft aber auch abwertend. Mit seinem lateinischen Bruder hat der PAX nämlich selten etwas gemein.
Standardfragen sind:

"Schläft die Crew auch an Bord ?" und
"Sind die Eier frisch gelegt ?"

Als erstere Frage mit einem ironischen: "Nein, die Besatzung wird jeden morgen mit dem Hubschrauber eingeflogen." beantwortet wurde, soll sich angeblich prompt jemand an der Rezeption über den Hubschrauberlärm jeden morgen beschwert haben.
Zu Frage zwei wird immer gesagt, wir hätten eine Hühnerfarm in der Bilsch, wahrscheinlich neben dem Kuhstall, wo die frische Milch herkommt.

Die Rezeption muß sich herumschlagen mit Bitten wie: 

"Ich hätte gerne ein Bett in Fahrtrichtung!" diese stammt häufig von Passagieren mit Innenkabine.
Außerdem laufen dort die Beschwerden auf, weil der Mond plötzlich weg sei.

Aus  der Galerie kommen folgende Sätze:

"Was? Das Poster kostet 20€!!!!! Da mach ich doch lieber ein Photo und vergrößere das dann!“ oder
„Hier steht doch gar nicht, dass man die Bilder nicht anfassen darf!?“ oder
„Die Originale von Lindenberg sind aber nicht echt, oder?“ 

Ein Klassiker ist: „Haben Sie die Bilder alle selber gemalt?" und ungeschlagen auf Platz eins:

„Von wem sind eigentlich die JanoschBilder???“ 

Das sind die heiteren Seiten. Schwieriger sind dann Kandidaten, wie derjenige, der in der Bar hinter uns saß, stark alkoholisiert war und in tiefstem schwäbisch ein Telephonat begann. Nicht sein Dialekt war störend, sondern vor allem seine Lautstärke (da fällt mir ein alter Witz aus einem Büro ein. Der Chef geht den Flur entlang, aus einem Zimmer schallt die laute Stimme eines Mitarbeiters. Der Chef fragt: "Was macht denn der Schultze da?", seine Sekretärin antwortet: "Er spricht mit Düsseldorf!" "Und warum benutzt er nicht das Telephon?").
Wir leidens, wir sind hier nur die Gastgeber, aber ein anderer Passagier beschwert sich: dies sei keine Telephonzelle! Der Schwabe ignoriert den Einwurf, wahrscheinlich hört er ihn auch gar nicht.
Schließlich macht ihn der Barkeeper darauf aufmerksam, daß die anderen Gäste sich gestört fühlen.
Der Schwabe sieht auf und sagt:
"Was willst Du denn? Ich kann hier machen, was ich will, ich habe das alles bezahlt! Weißt Du, wer Dein Gehalt bezahlt? Ich! Und wenn Du nicht still bist, geh ich zum Kapitän und beschwer mich über Dich."

Einziger Trost in dieser Situation: er würde die Brücke nicht finden und den Kapitän nicht erkennen, selbst wenn er direkt vor ihm stünde … immerhin sitzt der erste Offizier mit uns zusammen, der auch schon aufmerksam guckt, ob die Situation weiter eskalieren will?
Nein, das Telephonat wird nach zwei Sätzen beendet. Ich hoffe inständig, daß die Verbindung über "Maritim Wireles" zustande kam. Da kostet die Minute ca 25,-€ und Herr Großkotz hat sich sein Gequatsche dann mindestens 250,-€ kosten lassen :-)

Abends beschließen wir, den "Pax der Woche" zu wählen, der dann den "Goldenen Löffel des Scheiße Laberns" verliehen bekommt. Pax ist, wenn man trotzdem lacht.

Zuschauer!

Abgelegt unter: Allgemein, Auf See — Claudia Reimer @ 08. April 2009

Ein Zuschauer zu unserem Moderator:

"Na, Ihre Schauspielerin war früher auch mal russische Leistungsturnerin, oder?"

Antwort unseres Moderators:

"Nein, eigentlich ist sie ein Mann, aber sie wartet noch auf die letzte OP!"

Ich selbst hätte nicht schlagfertiger und besser antworten können, frage mich aber doch, was manche Menschen sich eigentlich so herausnehmen!?

Routine

Abgelegt unter: Allgemein, Auf See — Claudia Reimer @ 01. April 2009

Ich arbeite ca. 4000 km von der Heimat entfernt auf schwankenden Brettern-die-die-Welt-bedeuten und lebe trotzdem "Alltag".

Das Leben an Land besteht lediglich als intellektuelle Idee. Wir wissen, daß es da irgendwo "unser Leben" (was soll das eigentlich sein?) gibt, allein: es fehlt die emotionale Bindung daran.
Das Wunderbare ist, das dies in beide Richtungen funktioniert: ist man an Land, erscheint einem das Leben an Bord wie aus einer anderen Zeit. Wenn Wahnsinn den völligen Verlust des Bezugs zur Realität bedeutet, ist dies ein ausgesprochen angenehmer, 23° warmer Wahnsinn!

Für 3 Monate ist dieser Teil der Welt unser Wohnzimmer. Hier gehen wir auf Entdeckungsreise und sind selbst dabei routiniert:
Mietwagen?
Da drüben!
Zack!
Karte?
Hier.
Wohin?
Na. erstmal hierher, oder?

Schön!

Der Bus zum Strand?
Ganz einfach: vor der Post rechts, Nummer 8.

Kostenloses Netz?
Die Promenade runter, das dritte Café…

Und manchmal, wie durch einen Riß in der Zeit blitzt der Gedanke: "Wahnsinn! Ich bin wirklich hier! Das ist alles echt!!"

 

Bandsalat

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 27. Januar 2009

Vor zwei Jahren (!!!) fasste ich den hehren Entschluß, endlich ein neues Demoband schneiden zu lassen. Es war neues Material zusammengekommen: ein Kurzfilm und lauter winzige Schnipsel all der halben Drehtage, die ich gehabt hatte.
Also suchte ich mir einen vertrauenswürdigen Schnittmenschen, gab ihm mein Material und konferierte mit ihm. Er meinte, das Material reiche für ein anständiges Demoband nicht aus, ich sollte noch wenigstens eine Szene drehen und empfahl mir auch gleich mehrere Firmen, die dies zu ihrer Aufgabe gemacht haben.

Von den Firmen gefiel mir eine besonders.
Die gezeigten Ausschnitte sahen ausgesprochen gut aus, überhaupt nicht "selbst gedreht", waren witzig und zeigten eine schöne Palette an "Farben" der Schauspieler. Auf Wunsch schreibt man in der Firma nämlich auch Szenen für die Schauspieler.

Perfekt.

Dachte ich.

Eigentlich wollte ich den Dreh nun angehen. Zeitgleich traf ich mich mit dem neuen Menschen der für Film und Fernsehvermittlung zuständigen Abteilung der ZAV um eine evtl Finanzierung zu besprechen und wurde überrascht.
Er riet mir -freundlch gesagt- dringend davon ab, Geld für das Erstellen einer neuen Szene auszugeben. Diese und andere Firmen würden von Menschen gegründet und geleitet, die es selbst im Leben zu nichts gebracht hätten und nun Schauspielern das Geld aus der Tasche zögen. Es reiche vollkommen aus, wenn ich mir eine Videokamera besorge, sollte das schwierig sein, reiche auch ein Photoapperat mit dem man kurze Videos aufnehmen könne und damit sollte ich einfach ein paar Sachen aufnehmen, bloß nichts Gespieltes, das sei zu künstlich.

Ich war baff.

Seit Jahren wird mir suggeriert, Bewerbungsmaterial müsse perfekt sein: gute Photos, nicht nur schwarz-weiß, sondern auch farbig; ein gutes Band habe ja nichts Selbstgedrehtes zu enthalten, keine Interviews , ganz nebenbei müsse ich auch wissen, welchen Typ ich verkörpere, wie ich mich am besten selbst vermarkte, meine Sprach-CD beinhaltet idealer Weise auch Gesangsbeispiele, ganz zu schweigen von meiner Homepage und der Dauerpräsenz in allen kostenlosen und -pflichtigen Internetpräsenzen…

Ich bin freigesprochen. Von aller Höchster Instanz. Der Fachvermittlung! 

Fortan bewerbe ich mich mit Photos, die irgendwelche Freunde von mir schießen, lasse mich von ihnen auch gleich filmen während ich etwas möglich Unkünstliches tue (ich bin ja Schauspielerin und kann nur dann ungekünstelt sein, wenn ich nicht spiele) und spare viel, viel Geld, weil ich meine Web-Seite und alle kostenpflichtigen Internetpräsenzen kündige.

Das Leben kann so einfach sein!

 

Fair oder feige…?

Abgelegt unter: Allgemein — Claudia Reimer @ 02. Januar 2009

So, so, fair soll ich also sein… aufgefordert werde ich dazu von "Peter". Da Peter ein Geheimnis daraus macht, wer er ist, könnte er von "Peter Alexander" (lebt der überhaupt noch?) über "Peter Igelhoff" (der lebt nicht mehr) bis "Peter I  Zar von Russland" (auch tot) so ziemlich jeder sein… nebenbei bezieht sich der unbekannte Peter auf "My Fair Lady", ein Stück, das ich zur Zeit nicht spiele. Also ist er wohl eher "Peter, der Ahnungslose".

Nun gut.

Fair soll ich also sein und frage mich, wer eigentlich fair mit mir ist?

Vor ca 8 Jahren geschah es zum ersten Mal: ich saß in einem hochsubventionierten Theater und sah "Republik Vineta", da fiel mir ein leises, schleifendes Geräusch auf. Gefühlte 6 Stunden später wusste ich, was es war: dieses Geräusch wurde von meiner verstreichenden Lebenszeit verursacht. Seitdem geschieht es immer häufiger: langweilige Autoren, Dramaturgen und Regisseure riskieren meine Lebenszeit.
Kollegen tun es eher selten. Sie entschuldigen sich achselzuckend mit: "Das hat der Regisseur so gewollt."
Abgesehen davon, daß ich meinungslose Menschen suspekt finde, frage ich mich, was meinungslose Schauspieler auf einer Bühne zu suchen haben???

Auf meiner privaten, nach unten offenen Katastrophenskala kämpfen 2 Stücke um den letzten Platz: eine Tourneé Vorstellung von "Der Vaterschaftsprozess des Josef Z." und eine auf 2 1/2 Stunden gekürzte Fassung von "Trauer muß Elektra tragen". In beiden Vorstellungen spielten befreundete Kollegen und ich sah mich gezwungen in Hoffnung auf den-Moment/Monolog-der-alles-herausreißt, bis zum Ende durchzuhalten und nicht
a) in der Pause zu gehen ("Der Vaterschaftsprozess des Josef Z.") oder
b) den nächsten Zug nach Hause zu nehmen ("Trauer muß Elektra tragen")…
In beiden Fällen sprach ich hinterher mit meinen Freunden und sagte ihnen, was mir nicht gefallen hatte, denn eines habe ich noch nie fertig bekommen: nach so einem Abend jemandem freundlich lächelnd zu sagen, daß es "ganz toll" gewesen sei.

Meine Meinung ist genau das: meine Meinung. Ich erhebe keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, ich bin Schauspielerin keine Kritikerin (aber als Schauspielerin bestimmt kritischer, als viele normale Zuschauer. Das geht jedem in seinem Beruf so… man frage da mal Köche :-) ). Und natürlich äußere ich sie vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen und meinem Anliegen an "Schauspiel".
Sicher ist es nicht angenehm zu hören, daß der Abend/man selber nicht gefallen hat, aber genau da liegt der größte Gewinn: wenn alle sich nur lobhudeln,  findet keine Entwicklung statt. Im Gegenteil, man landet irgendwann bei dem alten Spruch "Eßt Scheiße, 50 000 Fliegen können sich nicht irren."

Ich jedenfalls wünsche mir mehr kritische Stimmen, damit ich mir nicht stundenlang überlegen muß, ob ich mir nicht vielleicht die Pulsadern aufschneiden sollte während ich im Zuschauerraum eines Theaters sitze, um dem Abend wenigstens irgendeinen Sinn zu geben.

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